Das Forderungspapier „Für eine bedarfsgerecht ausfinanzierte Soziale Arbeit!“ unterstützen

 

Forderungspapier

Trotz des steigenden Bedarfs in der aktuellen „Corona-Krise“ mit zunehmender Armut, Arbeits- und Wohnungslosigkeit sowie psychosozialen Schwierigkeiten insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sind die Bezirke gegenwärtig aufgefordert, die Ausgaben zu reduzieren. So werden dem seit Langem nicht auskömmlichen Sozialhaushalt keine zusätzlichen bedarfsgerechten Mittel zur Verfügung gestellt. Zudem sollen – wie bereits in den Vorjahren – über die sogenannten globalen Minderausgaben noch in 2021 insgesamt 2% (88 Mio. Euro) und in 2022 insgesamt 3% (133 Mio. Euro) gekürzt werden. Den freien Trägern wurden bisher nur 75% des geplanten Jahresbudgets zugesichert. Damit ist seitens des Senats der Konkurrenzkampf um die verknappten Mittel eröffnet.

Doch Soziale Arbeit ist und braucht mehr – für ein im umfassenden Sinne gesundes und solidarisches Aufwachsen sowie für eine Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt!

Die sozialen Einrichtungen sind essentiell dafür, diese Krise zu überwinden, weil sie die Möglichkeit bieten, die Verhältnisse zu reflektieren, untereinander zu kooperieren, in diesem Sinne für eine demokratische und sozial-nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft konflikt- und handlungsfähig zu werden. Dem entgegen sind die Träger und Einrichtungen seit den 1990er Jahren unter Druck gesetzt, um geringe Mittel zu konkurrieren und sich dabei ihrer je spezifischen inhaltlichen Ausrichtung zu entledigen, um zu zeigen, dass sie ökonomisch fit sind und „effizient“ wirtschaften (Stichwort: Neue Steuerungsmodelle). Dadurch wird die Soziale Arbeit auf Mangelverwaltung reduziert und trägt zur Stigmatisierung bei.

Eine Abkehr von der so forcierten Logik von Konkurrenz und Eigenverantwortung ist sofort möglich, denn Geld ist genug da! Zur Minderung der begründeten Ansprüche der Beschäftigten und Nutzer:innen der Sozialeinrichtungen nutzen Bund und Kommunen jedoch die sogenannte „Schuldenbremse“, um zu legitimieren, dass die soziale Infrastruktur nicht auskömmlich finanziert wird, während öffentliche Mittel in Konzernrettungen zu Gunsten Weniger fließen.

Vor dem Hintergrund dieses Konfliktes haben wir – Aktive aus verschiedenen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit – uns zusammengetan und fordern einen Richtungswechsel: 

  1. Das Budget der gemeinwohlorientierten öffentlich finanzierten Sozialen Arbeit muss aufgrund wachsender Bedarfe – ungedeckelt und bedarfsgerecht – erhöht werden!
  2. Es braucht Verlässlichkeit in der Finanzierung von langfristigen Aufgaben und Angeboten sowie den damit zusammenhängenden Stellen! Aktuell muss die Finanzierung von Sozialer Arbeit von Jahr zu Jahr aufs Neue beantragt werden, was mit hohem bürokratischen Aufwand und großer Unsicherheit einhergeht. Zudem werden in diesem Jahr aufgrund des vorläufigen Haushalts Anträge nur kurzfristig bewilligt, wodurch vor allem kleine Träger besonders gefährdet sind, die sich mit dieser Planungsunsicherheit weder auf Dauer halten, noch die auf Beziehungsarbeit basierende Soziale Arbeit gut machen können.
  3. Die gewinnorientierte Privatisierung der Sozialen Arbeit muss überwunden werden. Der Staat muss seinem sozialstaatlichen Auftrag (GG Art. 20) gerecht werden. Es braucht eine auskömmliche Finanzierung der öffentlichen Bereiche mit öffentlichen Mitteln. Die Finanzierung der Sozialen Arbeit durch private Akteure, die Ansprüche auf Rendite erheben (wie z.B. durch SocialBonds), was Teuerungen der Nutzung der sozialen Infrastruktur und damit des alltäglichen Bedarfs zur Folge hat, muss verhindert werden.
  4. Die Vielfalt gemeinwesenorientierter Sozialer Arbeit muss erhalten und nachhaltig ausgebaut werden! Aktuell sind wir mit einem Stopp der Finanzierung neuer Angebote konfrontiert und bereits laufende Projekte  können sich ihrer Weiterfinanzierung nicht sicher sein. Dies ist angesichts der gegenwärtigen Krise, in der die soziale Ungleichheit – etwa durch die Schließung von Bildungs- und Hilfeeinrichtungen – massiv verschärft wird, weder angemessen noch tragbar. Es braucht jetzt erst Recht einen Ausbau gemeinwesenorientierter Angebote. Die Einrichtungen müssen in die Lage versetzt werden, auch auf neue Aufgaben und Herausforderungen eingehen zu können. Laufende Angebote müssen weiter vorgehalten und finanziert werden – wie z.B. Mädchen-Treffs oder Entgiftungsplätze in der Drogenhilfe. Soziale Angebote, Maßnahmen und Träger dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
  5. Die monetären Bedingungen Sozialer Arbeit sollten nicht die Ziele Sozialer Arbeit bestimmen. Für eine nachhaltige Soziale Arbeit braucht es genügend Zeit für Aushandlungsprozesse und die Erweiterung und Schaffung von Perspektiven! Die Beweispflicht von schnellen Wirkungen führt zur verbreiteten Nutzung bzw. Etablierung von repressiven verhaltenskorrigierenden Methoden in der Sozialen Arbeit. Diese zeigen zwar gelegentlich schnell Wirkungen, sind jedoch weder menschenwürdig, demokratisch-partizipativ noch beständig. Zudem nimmt gegenwärtig die Dokumentationspflicht einen erheblichen Teil der Arbeitszeit ein und beschränkt damit die inhaltliche Arbeit. Dokumentationen sind im sinnvollen Verhältnis zu inhaltlichen Beratungen in Teamsitzungen und der Arbeit mit den Nutzer:innen selbst zu halten.
  6. Wir fordern die Abkehr von einer ordnungspolitischen hin zu einer sozialpolitischen und ausfinanzierten Sozialen Arbeit, die das Interesse der Beteiligten stärkt, Selbstorganisation fördert und die demokratischen Möglichkeiten erweitert! Im Zuge dessen ist auch eine demokratische Verteilung der Gelder im Sozialraum auszubauen! Hier sind die örtlichen demokratischen Gremien, wie z. B. die Jugendhilfeausschüsse, in ihrem Potential einer kooperativen Zusammenarbeit von öffentlichen und freien Trägern auf Augenhöhe, zu schaffen und zu stärken.

Das können wir nur zusammen – Schluss mit Austerität! 

 

Hier könnt ihr das Forderungspapier runterladen Download

 

Forderungspapier des Ratschlags Hamburger Sozialeinrichtungen (Mai 2021), eingeladen durch die Kampagne „International solidarisch – Schluss mit Austerität“

Wir rufen alle, und insbesondere Aktive in der sozialen Arbeit dazu auf, das Forderungspapier auf dieser Seite zu unterzeichnen und weiter zu verbreiten! So schaffen wir Öffentlichkeit für die Forderungen und erhöhen den Druck auf die politisch Verantwortlichen.

 

Das Forderungspapier unterstützen

52 Unterschriften

Hier könnt ihr die Liste auch ausdrucken und selber Unterschriften sammeln Download



Neueste Unterschriften
52 Benjamin Hummel Jun 18, 2021
51 Wiebke Wilhelmine Kruse Jun 16, 2021
50 Jana Böhme Jun 15, 2021
49 Anja Baron selbstständig Jun 15, 2021
48 Anne Hoven Jun 14, 2021
47 Sophia Ziese Jun 14, 2021
46 Natalia Chernysh Jun 14, 2021
45 David Kachel Jun 14, 2021
44 Viktor Rozalski Jun 13, 2021
43 Lea Simberg Jun 13, 2021
42 Heiko Hansen Jun 13, 2021
41 Cornelia Creischer Jun 12, 2021
40 Anne Karakaya Jun 12, 2021
39 Marco Schramm Jun 12, 2021
38 Peter Meyer Jun 12, 2021
37 Meinhard Lamp'l stellvertretender Vorsitzender JHA Eimsbüttel Jun 11, 2021
36 Maya Uygun Jun 10, 2021
35 Sabine Schönleiter Jun 10, 2021
34 Christina Schütze Jun 10, 2021
33 Gudrun Greb ragazza e.V. Jun 10, 2021
32 Gisa Rewinkel Jun 10, 2021
31 Soeren R. Jun 09, 2021
30 Heike Buß Jun 09, 2021
29 Uwe-Yorg Schlüter Kinder-und Jugendarbeit Berne e.V. Jun 09, 2021
28 Rainer Callsen Jun 09, 2021
27 Lars Stubbe ver.di Hamburg Jun 09, 2021
26 Barbara Scholand Jun 09, 2021
25 Ivy Gumprecht Jun 09, 2021
24 Corinna Trettin Jun 08, 2021
23 Christiane Mettlau Universität Hamburg Jun 08, 2021
22 Eva Burgdorf Landesfrauenrat Hamburg Jun 08, 2021
21 Daniela Sorg Lessing-Stadtteilschule Jun 08, 2021
20 Andrea Krieger Sozialarbeiterin, ver.di Fachgruppe SKJ Jun 08, 2021
19 Ida Rockenbach Jun 06, 2021
18 Valentin Dithmer Jun 06, 2021
17 Heinz Bründel jha altona Jun 04, 2021
16 Janina Wegner Jun 04, 2021
15 Patricia Peter Jun 04, 2021
14 Teresa Ludwig Jun 04, 2021
13 Florian Linscheid Universität Hamburg Jun 04, 2021
12 Johanna Krone Jun 04, 2021
11 Lea Degener ver.di Hamburg Jun 03, 2021
10 Ramona Seebach Jun 03, 2021
9 Mandy Rachow Jun 03, 2021
8 Veit-Yvon Severin HAW Hamburg Mai 30, 2021
7 Florian Muhl Uni Hamburg Mai 28, 2021
6 Sinah Mielich Uni Hamburg Mai 28, 2021
5 Raphael Tasch Mai 28, 2021
4 Ulla Vettel Mai 28, 2021
3 Lilia Parchwitz AStA HAW Mai 27, 2021