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 The Look of Silence

Februar 2 @ 18:00 - 22:00

(Doku | Joshua Oppenheimer | DK 2014 | 103 Min. )


Antikommunismus ist eine bürgerliche Herrschaftsideologie. Sie beruht auf einem simplifizierten Freiheitsbegriff, der Verfälschung geschichtlicher Tatsachen und plumpen Vorurteilsstrukturen. Sie richtet sich gegen den fortschrittlichsten Teil der Arbeiterbewegung, dient der Delegitimierung aller gesellschaftlichen Bestrebungen zur Verwirklichung von mehr sozialer Gleichheit, soll jegliche entsprechend „Andersdenkende“ prinzipiell verächtlich machen und schadet Allen. Sie hat stets dann Hochkonjunktur, wenn die auf strukturelle Ungleichheit gegründete, bürgerliche Eigentumsordnung („Freiheit“) besonders in Frage gestellt ist, bildet den Wesenskern faschistischer Ideologie und gehört seit deren Gründung auch zur offiziellen Staatsräson der BRD.

Eine bis heute weitestgehend totgeschwiegene Veranschaulichung des menschenverachtenden Charakters dieser Ungleichheitsideologie spielte sich 1965/66 in Indonesien ab.

In den Jahren seit der 1949 erkämpften Unabhängigkeit vom niederländischen Kolonialregime war es Präsident Sukarno, gestützt auf die Verfassungsprinzipien der „Pancasila“ (zivilreligiöse Gleichberechtigung der großen Glaubensgemeinschaften, Humanismus/Internationalismus, nationale Einheit, Demokratie, soziale Gerechtigkeit) und den moderativen Ausgleich zwischen den drei stärksten gesellschaftlichen Gruppen (Kommunisten, Muslime und säkulare Nationalisten bzw. Militärs) gelungen, dasviertbevölkerungsreichste Land der Erde zu einem bis dahin ungeahnten Maß sozialen Fortschritts, wirtschaftlicher Prosperität und souveräner außenpolitischer Entwicklung zu führen. Nicht zufällig gehörte Indonesien 1961 neben Jugoslawien, Ägypten und Indien zu den Gründern der Bewegung der Blockfreien Staaten.

Doch bereits diese gemäßigt sozial-transformatorischen Bestrebungen waren den „Führern der Freien Welt“ und ihren Wirtschaftsverbänden, die im größten südostasiatischen Markt unbehelligt von streikenden Arbeitern Rohstoffe ausbeuten und ihre Produkte absetzen wollten, ein Dorn im Auge. Und so unterstützten US-Geheimdienste und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts wie der spätere Bundespräsident Karl Carstens (CDU)finanziell, logistisch und organisatorisch eine Gruppe reaktionärster Militärs um den späteren Diktator Suharto bei der akribischen Planung, Legitimierung und Durchführung eines blutigen Staatsstreichs. Dieser begann im Oktober 1965 mit der Ermordung hochrangiger Militärs, für die in einer geplanten Propaganda-Kampagne die inzwischen 3 Millionen Mitglieder zählende Kommunistische Partei Indonesiens verantwortlich gemacht wurde, und gipfelte in einem grausamen Massenmord, dem innerhalb von wenigen Monaten zwischen 500.000 und 3 Millionen Menschen jeglichen Alters – Kommunisten, Gewerkschafter, Nicht-Gläubige, Angehörige der chinesischen Minderheit im Land sowie andere missliebige Zivilpersonen und ihre Angehörigen – zum Opfer fielen.

Eine kritische Aufarbeitung des Geschehenen wird – aus „Rücksicht“ auf die westlichen Mittäter und -wisser (noch Helmut Kohl bezeichnete den bis 1998 herrschenden Suharto stets als „guten Freund in Ostasien“) – im Land wie international bis heute zu unterdrücken versucht.

Die Dokumentarfilme Joshua Oppenheimers jedoch brechendieses Schweigen. In „The Look of Silence“ begleitet er den 44-jährigen Brillenmacher Adi, der das Schicksal seines von den Todesschwadronen ermordeten Bruders, den er nie kennenlernte, zu ergründen versucht und dafür nicht nur seine Mutter, sondern auch die früheren Täter, Mitwisser und Nachbarn in seinerHeimatprovinz Aceh nach den Geschehnissen befragt und sie mit der Tatsächlichkeit der Geschichte konfrontiert. In dieser furchtlosen Aufklärungsarbeit gelingt auf persönlich tiefbeeindruckende Weise eine filmisch-grandios entwickelteAbrechnung mit der allgegenwärtigen Verbrechens-Ideologie. Von Lügen und Vorurteilen bleibt nichts übrig. Und es lässt sich nachhaltig bedenkenswert schlussfolgern:

Wer soziale Gleichheit verteufelt, sollte von Freiheit, Demokratie, Menschenrechten oder Humanität lieber gänzlich schweigen. Oder besser noch: gründlichst aus der Geschichte lernen.

International solidarisch Schluss mit Austerität!

So ist der Kommunismus älter als Marx und das neunzehnte Jahrhundert. Der Zukunft aber gehört er an insofern, als die Welt, die nach uns kommt, in der unsere Kinder und Enkel leben werden und die langsam ihre Umrisse zu enthüllen beginnt, schwerlich ohne kommunistische Züge vorzustellen ist: das heißt, ohne die Grundidee des gemeinsamen Besitz- und Genußrechtes an den Gütern der Erde, ohne fortschreitende Einebnung der Klassenunterschiede, ohne das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit für alle.
Thomas Mann, „Schicksal und Aufgabe“, 1944.

Den Flyer findest du hier auch als pdf.

Details

Datum:
Februar 2
Zeit:
18:00 - 22:00
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