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Filmseminar: The Fog of War

Juli 6 @ 21:00 - 23:30

(Doku | Regie: E. Morris | USA 2003 | 95 Min. | OmU)


Die NATO: ein Friedensbündnis für Freiheit, Demokratie und Völkerrecht? Die Geschichte lehrt anderes. Die USA, „unsere Schutzgaranten“ jenseits des Atlantiks, sind nicht nur die einzige Nation, die Atombomben bereits real eingesetzt hat (Hiroshima und Nagasaki, 1945). Sie haben zudem mit dem Vietnamkrieg (1955-1975) die noch immer grausamste militärische Auseinandersetzung seit dem Zweiten Weltkrieg zu verantworten.

Weil es schlicht nicht ihrem hegemoniepolitischen Kalkül entsprach, dass sich die 1954 vom französischen Kolonialjoch befreiten Teilstaaten Nord- und Südvietnams in sozialistischer Orientierung wiedervereinen (wie es absehbar geschehen wäre nach den für das Jahr 1956 vereinbarten, freien Wahlen in Südvietnam), richteten vier aufeinanderfolgende US-Administrationen in steigendem Ausmaß schwerwiegendste Verbrechen an den Bevölkerungen Vietnams, Laos‘ und Kambodschas an. Über 3 Millionen Vietnames:innen ließen infolgedessen ihr Leben. Bis heute ohne Entschädigung. Denn noch immer erkennen die USA die einzig international legitimierten Instanzen zur Be- und Verurteilung von Kriegsverbrechen bzw. zu deren Entschädigung, den Internationalen Strafgerichtshof und den Internationalen Gerichtshof in Den Haag, de facto nicht an. Die völkerrechtswidrige Intervention in die inneren Angelegenheiten der souveränen Staaten Südostasiens reichte vom orchestrierten Staatsstreich gegen die Wahlen in Südvietnam, über Ausbildung, Finanzierung und Aufrüstung der südvietnamesischen Putsch-Armee bis hin zu Flächenbombardements mit Napalm, gezielten Massakern an der Zivilbevölkerung und dem Einsatz des Pflanzengiftes „Agent Orange“, in dessen Folge noch heute vietnamesische Kinder mit Fehlbildungen geboren werden.

Robert S. McNamara war von 1961-1968 der für die Kriegführung verantwortliche US-Verteidigungsminister. Er ist der Protagonist des Dokumentarfilms „The Fog of War“. In einem auf Filmlänge verdichteten, insgesamt 20-stündigen Interview legt McNamara darin die Bilanz seines politischen Wirkens in Form von elf Lehren dar. Kontrastiert mit Original-Archivmaterial des realen Geschehens in Bild und Ton werden die Darlegungen zu einer filmisch eindrucksvollen Abrechnung mit der aggressiven US-Außenpolitik seit 1945. McNamara, studierter Ökonom, der während des zweiten Weltkriegs Analysen für das US-Militär zur Effizienzsteigerung der Bombardements japanischer Städte anfertigte, stieg ab 1946 bei Ford zum Generaldirektor auf und wurde dann von Präsident Kennedy als Verteidigungsminister angeworben. Aufgrund strategischer Differenzen mit Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson trat er 1968 von seinem Amt zurück. Er hatte zu diesem Zeitpunkt unter dem Eindruck militärischer Fehleinschätzungen und der zunehmenden Proteste im Land für einen geordneten Truppenabzug statt für eine Ausweitung der Kriegführung plädiert.

Die 2003 im Lichte des beginnenden, völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der USA gegen den Irak aufgezeichneten Ausführungen McNamaras sind keineswegs moralische Einsichten eines geläuterten Kriegstreibers. Ihre aufklärerische Wirkung ist beinahe noch brisanter, denn hier gelangt ein überaus strategisch-reflektierter Machtpolitiker, der in allerhöchsten Kreisen die nationalen, geopolitischen Interessen der militärischen Weltmacht #1 zu vertreten bemüht war, allein durch analytisch-realistische Rückbeschau unweigerlich zu Schlussfolgerungen, die ein besonders grelles Licht auf den Zynismus und die fundamentale Abwegigkeit rein konfrontativer Außenpolitik werfen.

Ihre unausgesprochene Quintessenz, dass in einer multipolaren Welt (mit atomarer Hochrüstung) im Konfliktfall keine noch so dominante Großmacht ihre eigenen Interessen verwirklichen kann ohne diplomatisch-einigungsorientierte Verständigung und Berücksichtigung der Interessen der „Gegenseite“, skizziert eine außenpolitische Linie, deren Renaissance für die Welt in ihrer heutigen Verfasstheit schon ein enormer Fortschritt wäre. Mit der NATO ist das offenkundig schwer zu machen. Mit einer geschichtsbewusst engagierten, globalen Friedensbewegung hingegen schon. International solidarisch – Schluss mit Austerität!

„Krieg ist nichts als Drückebergerei vor den Aufgaben des Friedens.“
Thomas Mann, „Vom kommenden Sieg der Demokratie“, 1938.

Den Film findet ihr hier auch als pdf. 

Details

Datum:
Juli 6
Zeit:
21:00 - 23:30
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