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Filmseminar: Checkpoint

März 6 @ 20:00 - 23:30

(Doku | Regie: Yoav Shamir | ISR 2003 | 80 Min. | OmU)


Nur Frieden schafft Frieden. Diese viel zu oft als „trivial erscheinend“ abgetane Erkenntnis erhält derzeit fundamental, global und politisch-praktisch neues Gewicht – nicht zuletzt angesichts der genozidale Formen annehmenden Kriegführung der israelischen Regierung gegenüber der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen.

Die geopolitisch und rüstungsindustriell motivierte Unterstützung westlicher Regierungen für die von Beginn an völkerrechtswidrige  Vertreibungs-, Expansions- und Besatzungspolitik Israels sowie für dessen Aufkündigung jeglichen Dialogs über eine gegenseitig akzeptierte, souveräne Zwei-Staatlichkeit (Ende des Oslo-Friedensprozesses im Jahr 2000) hat mittlerweile rechtsextremen Siedlern zur Macht verholfen, die aus ihren Vernichtungsabsichten gegenüber den Palästinenser:innen keinerlei Hehl mehr machen. Eine Tendenz, die nur durch das beherzte Eingreifen der internationalen Zivilgesellschaft zu durchbrechen ist.

Einen gewichtigen Beitrag dazu liefert der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm „Checkpoint“ des israelischen Regisseurs Yoav Shamir.

Er zeigt Begegnungen, die sich während der Zweiten Intifada (2000-2005) zwischen palästinensischen Zivilist:innen und israelischen Militärs an den „Checkpoints“ abgespielt haben – jenen Straßensperren und Kontrollpunkten, die die Armee im Zuge der Besatzung und Besiedlung überall verteilt im Westjordanland und (damals auch noch) im Gazastreifen errichtet hat. Sie bilden gewissermaßen den betonierten Ausdruck des alltäglich gewaltsamen Unrechts- und Unterdrückungsverhältnisses, das mit dem Okkupationsregime 1967 etabliert wurde.

Um von einem Dorf zum nächsten zu gelangen, sind palästinensische Schulbusse, Krankentransporte und Hochzeitsanwärter ebenso der Willkür waffenstrotzender Soldat:innen unterworfen wie behandlungsbedürftige Kindern oder bewegungseingeschränkte ältere Herren.

Ständig wechselnde Transitbestimmungen, plötzliche Ausgangssperren und unkalkulierbare Wartezeiten machen schon im glimpflich verlaufenden Falle die Verrichtungen des alltäglichen Lebens zur peinigenden Qual für die Palästinenser:innen.

Auf gänzlich unspektakuläre Weise vermitteln die eingefangenen Szenen zudem einen tiefen Eindruck vom allgegenwärtig-stummen Begleiter im Status der Rechtlosigkeit: demütigende Übergriffe, willkürliche Verhaftungen oder körperliche Gewaltanwendung stehen als Möglichkeit stets drohend im Raum. Dass auf der anderen Seite in der Regel beinahe ebenso furchtgetriebene Wehrdienstleistende von kaum mehr als 20 Jahren agieren, macht die Situation selten besser.

Bemerkenswert ist, dass der Film keiner Kommentierung bedarf, um seine aufklärerische Wirkung zu entfalten. Gerade indem er „alltägliche“ Szenen aus den besetzten Gebieten zeigt – die, obwohl sie es vor der Kamera nicht tun, jederzeit in physische Gewalt umschlagen könnten – offenbart er den realen Wesenskern der Besatzung: sie ist ein latentes, strukturelles Gewaltverhältnis, das die palästinensische Bevölkerung tagtäglich zu Geduldeten im eigenen Land degradiert und die israelische Gesellschaft in paranoider Verrohung erstarren lässt.

So entsteht erzählerisch eine Aussage von bestechender Klarheit und hochaktuellem Gewicht: Ohne die Beendigung der Apartheid wird es für keine Seite ein Leben in Frieden und Sicherheit, Würde und Wohlentwicklung geben.

Der Wille zu einer solchen nachhaltigen Friedenslösung ist in nicht unwesentlichen Teilen der Bevölkerung vor Ort trotz aller Gewalt noch immer vital vorhanden.

Entscheidend für ihr Zustandekommen ist jedoch das international solidarische Engagement: für einen sofortigen Waffenstillstand, für das Ende jeglicher Waffenlieferungen in die Region, für die Verwirklichung der völkerrechtlich statuierten Zwei-Staaten-Lösung unter demilitarisierter Garantie der Vereinten Nationen sowie für die Verwirklichung der unteilbar gleichen kulturellen, sozialen und politischen Grund- und Menschenrechte für Alle. Diese „einzig legitime Konsequenz aus dem singulären Menschheitsverbrechen des Holocaust“ (D. Feldman) stünde Unsereinem ganz besonders gut zu Gesicht. Ein Gebot der praktischen Vernunft mit paradigmatischer Bedeutung für die Zivilisationsentwicklung. Humanität kennt keine Grenzen!

Brot, Frieden, Würde – jetzt! International solidarisch: Schluss mit Austerität.

 Me-Ti sagte: Wichtiger, als zu betonen, wie unrichtig es ist, Unrecht zu tun, ist es, zu betonen, wie unrichtig es ist, Unrecht zu dulden. Unrecht zu tun haben nur wenige die Gelegenheit, Unrecht zu dulden viele.
Bertolt Brecht, „Me-Ti. Buch der Wendungen“, entstanden im Exil der 1930er-Jahre.

Den Flyer findet ihr hier auch als [pdf].

Sowie in English als [pdf] zum download. 

 

Details

Datum:
März 6
Zeit:
20:00 - 23:30
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