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Filmseminar: Wer rettet wen? – Reloaded

Januar 13 @ 18:00 - 22:00

(Doku | Regie: L. Franke & H. Lorenz | D 2020 | 79 Min. | deu)

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, den 13. Januar 2021 statt und beginnt um 18 Uhr im Abaton Kino (Allende-Platz 3). Im Anschluss wird es wie immer Gelegenheit zur Diskussion geben. Das Filmseminar gegen Austerität wird als studentisches Seminar organisiert. Zur Teilnahme bitten wir um eine kurze Anmeldung per Mail an kontakt@schluss-mit-austeritaet.de. 

Die Filmemacher:innen Leslie Franke und Herdolor Lorenz werden an diesem Abend anwesend sein um mit uns im Anschluss über den Film zu diskutieren.


Die aktuell tiefgreifende gesellschaftliche Krise in all ihren politischen, sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Facetten ist nicht die unabänderliche Folge eines naturgewaltlich über uns hereingebrochenen, unvorhersehbaren „Virus-Geschehens“, sondern das Ergebnis der jahrzehntelang politisch betriebenen, marktideologischen Aushöhlung aller relevanten staatlichen, öffentlichen und zivilgesellschaftlichen Immunkräfte. Während Großaktionäre und Firmeneigner von digitalen Multis, Hedge-Fonds, Versicherungskonzernen und Großbanken sich täglich über neue Milliarden auf ihren Offshore-Konten freuen dürfen, soll der übergroße Rest der Bevölkerung sittsam, bescheiden und demütig das traute Heim hüten und vertrauensvoll der Dinge harren, die höhere Entscheidungsträger über uns verfügen. Es sind dieselben Entscheidungsträger, die mit dem austeritätsdogmatisch begründeten Sozialstaatsabbau, der Privatisierung von öffentlicher Daseinsvorsorge und steuerlichen Begünstigungen für Superreiche wesentlich zu verantworten haben, dass es bis heute keine patentfrei entwickelte Impfstoff- und Medikamentenentwicklung, nicht genügend Krankenhäuser, keine gut ausgestatteten Gesundheitsämter, keine präventiv wirkenden öffentlichen Gesundheitsdienste oder Einrichtungen der Primärversorgung, keine hinreichende Zahl gut entlohnter, qualifizierter Pflege- und Reinigungskräfte in Alten- und Pflegeheimen oder auch nur Lüftungsanlagen in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden gibt. Um auch nur gelinde Anstrengungen in dieser Richtung nicht unternehmen zu müssen, bemühen sie hingegen den Ordnungsstaat unter Aussetzung wesentlicher Grundrechte, um die zunehmend kultur- und solidaritätsaffine Bevölkerung doch noch Eigenverantwortung zu lehren und die produktive Realwirtschaft an die neue Monopolbildung zu gewöhnen. Auf eine Politik, die Gesundheitsschutz mit Kapitalrendite verwechselt, sollte zur Lösung dieser kumulierten Misere besser nicht vertraut werden.

Was Not tut, ist eine grundlegende soziale, kulturelle und politische Transformation, die mit massiven staatlichen Investitionen in die öffentliche Daseinsvorsorge und der Umverteilung des Reichtums zugunsten derer, die ihn täglich erarbeiten und ihn dringend zur Entfaltung eines menschenwürdigen Lebens benötigen. Dieser gesellschaftliche Wandel bedarf eines neuen, assoziierten Engagements der Vielen zur bewussten, kooperativ demokratischen, sozial gerechten, international solidarischen, kulturell lebendigen und weitsichtig zivilisierenden Gestaltung der gemeinsamen, globalen Lebensbedingungen.

Genau darin besteht das Verdienst des neuesten dokumentarischen Werks der beiden Hamburger Filmemacher*innen: durch die Nachzeichnung der politischen Fehlentscheidungen in der Genese und Folge der Finanzkrise 2008 wird erkennbar, was akut zu korrigieren ist. In den beispielhaft skizzierten gesellschaftlichen Entwicklungen in Griechenland, Spanien, Island und den USA, unterlegt mit historischen und analytischen Einordnungen namhafter Wirtschaftswissenschaftler, zeigt sich: es gab und gibt immer eine humane Alternative. Geschichte ist keine Abfolge von Schicksalhaftigkeiten, sondern ein lebendiger Prozess, der von Menschen aktiv gestaltet wird. Wer sich ihrer Lehren bewusst wird und auf entsprechende hiesige wie internationale Erkenntnisse, Erfahrungen und beispielgebende Handlungsweisen zu stützen weiß, hat eine Zukunft zu gewinnen, die radikal besser ist, als jene Normalität, die zum heutigen Zustand geführt hat.

Wann, wenn nicht jetzt: International solidarisch – Schluss mit Austerität!

„Für wen wird gelitten? Für wen gehungert? Für wen auf Bänken gepennt, während die Banken verdienen? Für diese da. […] Sie mästen den Götzen, sie sind selber nicht sehr glücklich dabei, sie führen ein Leben voller Angst, es ist ein Kapitalismus des schlechten Gewissens. Sie schwindeln sich vom Heute in das Morgen hinein, über viele Kinderleichen, über ausgemergelte Arbeitslose – aber das Werk, das Werk ist gerettet. […] Sie haben die Dreistigkeit, unter diesen Verhältnissen noch ›Vertrauen‹ zu fordern, dieselben Männer, die das Unglück verschuldet haben. Und keiner tritt ab, nur die Gruppierung ändert sich ein wenig. Das verdient die schärfste Bekämpfung. […]Bleiben die Wirtschaftsführer bei dieser ihrer Wirtschaft, dann ist ihnen die verdiente Revolution sicher.“
Kurt Tucholsky, „Die Herren Wirtschaftsführer“, 1931.

Hier findet ihr den Flyer auch als pdf.

Details

Datum:
Januar 13
Zeit:
18:00 - 22:00
Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

Anna-Siemsen-Hörsaal
Von-Melle-Park 8
Hamburg, 20146 Deutschland