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Vermisst

11. September 2019 @ 20:00 - 23:30

(Spielfilm | Regie: Costa-Gavras | USA 1982 | 122 Min. | deu.)


Am 11. September 1973 putscht in Chile das Militär unter General Augusto Pinochet gegen den demokratisch gewählten, sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Die Errungenschaften der Unidad Popular, durch die Millionen Menschen sich mithilfe von umfassenden Kultur-, Bildungs-, Wohnungsbau-, Arbeitsschutz- und Sozialprogrammen, Verstaatlichungen der zentralen Rohstoff- und Industriezweige und massenhafter demokratischer Organisierung aus der Armut befreien, ihre Würde zurückgewinnen und die Kontrolle über ihre gemeinsamen Lebensbedingungen wiedererlangen konnten, sollten beseitigt werden zugunsten einer gnadenlosen, neoliberalen Ausplünderung des Landes durch inländische und externe Wirtschafts-Eliten. Politische Gegner, Intellektuelle, Künstler, Arbeiter und Andersdenkende wurden von den Militärs verfolgt, inhaftiert, gefoltert und ermordet. Viele von ihnen ließ man einfach „verschwinden“.

Der Film erzählt die wahre Geschichte eines von ihnen: Charles Horman – ein junger, linksliberaler Schriftsteller und Publizist, der aus den USA nach Chile ausgewandert war, sich mit Freunden dort engagierte, für eine kleine linke Zeitung in den USA schrieb und ein besseres Leben suchte. Er hatte über Ungereimtheiten bei der Ermordung des obersten, der verfassungsmäßigen Regierung Allendes loyalen Armee-Generals Schneider recherchiert und Aufzeichnungen über die massive US-Militärpräsenz in Vina del Mar, wenige Tage vor dem Putsch, gemacht. Darum ist er den Militärs ein Dorn im Auge.

Als er verschwindet, macht sich sein Vater (gespielt von Jack Lemmon) auf die Suche nach ihm. Er ist ein werte-konservativer Mittelständler, der mit dem Lebenswandel seines Sohnes auf Kriegsfuß steht. Er glaubt an den American Way of Life, an Freedom and Democracy. Doch die unbändige Suche nach der Wahrheit über seinen Sohn führt ihn immer tiefer in den Konflikt mit den US-Behörden vor Ort. Die wiegeln ab, obwohl sie hervorragende Kontakte zu den Militärs unterhalten. Ihre Beteiligung an den blutigen Machenschaften der Putschisten lassen sich nicht mehr leugnen – für die Interessen der US-Konzerne gehen sie auch über die Leichen der eigenen Landsleute. Der Vater – zurück in den USA – erhebt Anklage: gegen die Botschaft, gegen die US-Marineoffiziere und Außenminister Henry Kissinger.

Der Film deckte in den 1980er-Jahren für ein Millionenpublikum die initiierende Rolle der US-Regierungen bei den Militärputschen in zahlreichen Ländern des globalen Südens auf, die diese bis heute leugnen. Der ehemalige Botschafter verklagte die Filmemacher auf 150 Mio. US$ Schadensersatz. Die Klage wurde abgewiesen. Erst danach durfte der Film in den USA gezeigt werden. Später geöffnete Akten belegten die gezeigten Fakten. Erst 2013 wurden einige beteiligte US-Verantwortliche in Chile verurteilt.

So ist die filmische Verarbeitung dieser Geschichte nicht nur ein flammendes Plädoyer für die unwiderstehliche Macht der Aufklärung. Sie ist auch eine gelungene Parabel dafür, wie aus passivem Unmut aktive Gegenwehr erwachsen kann und zeigt, welch entscheidende Bedeutung die sozialen Kämpfe hierzulande für eine positive Entwicklung weltweit haben.

Am 11. September findet vor dem Film, um 16 Uhr, auf dem Allende-Platz (vorm Abaton-Kino) eine Kundgebung zum aktuellen Erinnern an die beispielgebenden Kämpfe der Unidad Popular und das Erbe Salvador Allendes statt. Alle sind herzlich eingeladen.

Hoch die internationale Solidarität. Machen wir Schluss mit der Austerität!

 „Die großen, transnationalen Unternehmen agieren nicht nur gegen die wahren Interessen der in Unterentwicklung gehaltenen Länder. Ihr unkontrolliertes und zerstörerisches Handeln breitet sich auch über die entwickelten Länder aus, aus denen sie stammen. Aber es ist das Vertrauen in uns selbst, das unseren Glauben an die großen Werte der Humanität bestärkt. In der Überzeugung, dass diese Werte sich durchsetzen werden.“
Salvador Allende, Rede vor der UN-Vollversammlung, 1972.

Den Flyer findet ihr hier auch als pdf.

 

Details

Datum:
11. September 2019
Zeit:
20:00 - 23:30

Veranstaltungsort

Philturm
Von-Melle-Park 6
Hamburg, Hamburg 20146 Deutschland

Veranstalter

International solidarisch: Schluss mit Austerität