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Filmseminar: Selma

Februar 16 @ 18:00 - 22:00

(Spielfilm |Regie: Ava DuVernay |USA 2014 |127 Min. | deu)


Demokratische Grundrechte fallen nicht vom Himmel. Die Deutschen verdanken die Unantastbarkeit der Menschenwürde, die Gleichheit vor dem Gesetz, das allgemeine Wahlrecht, die Unverletzlichkeit der Person, die Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit und vielerlei mehr der Revolution von 1919 und der Befreiung vom Faschismus 1945, für die über 65 Millionen Menschen – in der Hauptsache Bürger:innen der Sowjetunion und internationale Widerstandskämpfer:innen – ihr Leben ließen. In den USA sind diese Rechte in allererster Linie Ergebnis der jahrhundertelangen Auflehnung der afroamerikanischen Bevölkerung gegen Sklaverei, Rassismus, Unterdrückung und Ausbeutung. Einer der wichtigsten Meilensteine dieses Befreiungskampfes gelang der US-Bürgerrechtsbewegung mit der Durchsetzung des sog. Voting Rights Acts 1965, mit dem die diskriminierende Behinderung von Minderheiten bei der Ausübung ihres Wahlrechts verboten werden sollte. Der 50 Jahre später gedrehte Film „Selma“ dokumentiert in beeindruckender Weise nicht nur das Zustandekommen dieses Gesetzes, sondern auch die enorme Aktualität der damaligen Kämpfe.

Obwohl 1964 infolge vielzahliger Protestaktivitäten und dem millionenfachen Marsch auf Washington mit dem Civil Rights Act die „Rassentrennung“ in Schulen, Verkehrsmitteln und öffentlichen Einrichtungen sowie die Ungleichbehandlung bei der Wählerregistrierung qua Gesetz für illegal erklärt wurden, ändert sich in einigen Südstaaten zunächst faktisch gar nichts. Im Gegenteil nehmen hier Diskriminierung und Gewalt noch zu. In Selma, einer mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Kleinstadt in Alabama, formiert sich jedoch der Widerstand. Die Bürgerrechtsaktivistin Amelia Boynton wendet sich, nachdem ihr erneut von rassistischen Beamten die Zulassung zur Wahl verweigert wurde, an Martin Luther King und die Southern Christian Leadership Conference (SCLC), die sofort nach Selma reist, wissend, dass es einer neuen Qualität der sozialen Bewegung bedarf, um die himmelschreienden Missstände dort, beispielgebend für das gesamte Land, zu überwinden.

Dabei begegnen die auswärtigen Aktivist:innen nicht nur den Vorbehalten der bereits in Selma aktiven Bürgerrechtler:innen, sondern geraten auch angesichts eines völlig verrohten, tief rassistisch durchdrungenen Staatsapparats an die Grenzen ihrer Strategie des zivilen Ungehorsams. Zudem wird – trotz guter Verbindungen Kings zum Weißen Haus – das FBI beauftragt, eine massive Drohkampagne gegen die Familie des Friedensnobelpreisträgers zu initiieren. In intensiven Debatten nach immer neu zu verarbeitenden Rückschlägen gelingt es der Bewegung jedoch, durch die sozialkritische Radikalisierung der Egalitätsperspektive ihre Wirksamkeit stetig auszuweiten. Die Differenzen zwischen Ungeduldigen, Militanten und Befürwortern der Gewaltlosigkeit sind im produktiven Disput aufhebbar. In einer Fernsehansprache nach der gewaltsamen Niederschlagung des ersten Versuchs, den Protest in die Provinzhauptstadt Montgomery zu tragen, adressiert King auch die weiße Bevölkerung Amerikas, nach Selma zu kommen und dem Unrecht entgegen zu treten. Gegenüber Präsident Johnson tritt er zunehmend fordernd auf und stellt in seinen Reden, die der Film ausschnittweise in Originaltexten dokumentiert, immer deutlicher den Zusammenhang zwischen der milliardenschweren Kriegführung in Vietnam und der gleichzeitigen Ignoranz der eklatanten sozialen Probleme im Lande her und entlarvt den Rassismus als Lüge, die der reiche weiße Mann für den armen weißen Mann erfunden habe, damit dieser seine eigene Unterdrücktheit hinnimmt. Der dritte Marsch nach Montgomery gelingt und endet in einem „Stars for Freedom“-Konzert, mit u.a. Joan Baez, Harry Belafonte, Nina Simone, Tony Bennett und Sammy Davis Jr. Der Rest ist Geschichte, aus der der Film sehr nachdrücklich nahelegt, zu lernen.

Kämpferischer Humanismus, streitbare Solidarität, die Überwindung von Gewalt und sozialer Ungleichheit und die Verwirklichung demokratischer Grundrechte bilden eine untrennbare Einheit im Sinne einer global menschenwürdigen Zivilisationsentwicklung.

Darum: International solidarisch – Schluss mit Austerität!

„Selma, Alabama, wurde zu einem glanzvollen Moment im Gewissen der Menschheit. Als das Schlimmste des amerikanischen Lebens in seinen dunklen Straßen umherzog, erwuchsen leidenschaftlich aus allen Teilen des Landes die besten der amerikanischen Instinkte. In der Geschichte des Landes gab es keinen ehrenvolleren und begeisternderen Augenblick als die Pilgerschaft von Geistlichen und Laien aller Rassen- und Glaubenszugehörigkeiten, die nach Selma strömten um an der Seite seiner gerüsteten schwarzen Bevölkerung der Gefahr entgegenzutreten.“
Dr. Martin Luther King Jr., „Our God is marching on“ – Rede in Montgomery/Alabama, 25.3.1965.

Den Flyer findet ihr hier auch als pdf.

Details

Datum:
Februar 16
Zeit:
18:00 - 22:00
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