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Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens

22. Juli 2020 @ 21:00 - 23:30

Doku | Regie: Nicolas Wadimoff | CH 2016 | 93 Min. | deu


Alle zehn Sekunden stirbt weltweit ein Kind an den Folgen von Hunger bzw. Unterernährung, obgleich die globale Nahrungsmittelproduktion längst ausreicht, um die Menschheit 1,5-fach zu ernähren. Jean Ziegler, emeritierter Soziologie-Professor der Universität Genf, langjähriger Abgeordneter der Schweizer Nationalversammlung für die Sozialistische Partei der Schweiz und von 2000 – 2008 Sonderberichterstatter der UN für das Menschenrecht auf Nahrung betont regelmäßig, dass ein Mensch, der heute an Hunger stirbt, ermordet wird. Denn dieses Missverhältnis ist kein Schicksal, sondern Ergebnis einer „kannibalischen Weltordnung“, in der die 500 größten, multinationalen Konzerne mit ihrem skrupellosen Profitstreben weit über die Hälfte der globalen Waren- und Güterproduktion sowie deren Verteilung kontrollieren. Diese inhumane Ordnung zu überwinden ist seine Lebensaufgabe, die er in seinem schriftstellerischen Wirken, in seiner Arbeit für die UN, als Redner bei Demonstrationen der globalisierungskritischen Bewegung und durch unzählige Vortragsreisen verfolgt – so auch bei den Diskussionen im Rahmen der Protestaktivitäten gegen den G20-Gipfel in Hamburg 2017, die gewissermaßen den Ausgangspunkt für die Kampagne „International solidarisch: Schluss mit Austerität“ bildeten.

Der eindringliche Dokumentar-Film porträtiert ihn bei seiner Arbeit im Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats der UN, für den Ziegler einen Bericht über das globale Agieren der sog. „Geier-Fonds“ verfassen soll, die vor allem aus verschuldeten Ländern des globalen Südens mit zynischen Methoden noch die letzten Ressourcen zum profitablen Vorteil herauszupressen versuchen. Er begleitet ihn ebenfalls bei einer Reise nach Kuba, mit der Ziegler den Ursprüngen seines politischen Engagements auf die Spur geht. Denn das sozialistische Kuba mit seinem spezifisch humanistischen Entwicklungsmodell, dass seit über 60 Jahren allen Aggressionen der imperialistischen Welt und der verheerenden US-Wirtschaftsblockade zum Trotz ein Höchstmaß an sozialer Wohlentwicklung, kultureller Egalität und international solidarischem Engagement verwirklicht, ist nicht nur aktueller Bezugspunkt für Zieglers Hoffnung auf die Schaffung einer besseren Welt. Es war Ernesto „Che“ Guevara selbst, der seinem damaligen Chauffeur Ziegler am Rande der UN-Weltzuckerkonferenz 1964 in Genf politisch den Weg wies. Auf die Stadt mit den beleuchteten Bank-Hochhäusern zeigend soll dieser dem kleinbürgerlich-privilegiert herangewachsenen „Revolutionär im Geiste“ gesagt haben: „Dein Platz ist hier. Hier ist das Gehirn des Monsters. Hier musst Du kämpfen.“

Den Quell der Zuversicht, die laut Zieglers Aussage neben einer klaren Analyse des Bestehenden und der solidarischen Praxis einer sozialen Bewegung ebenso entscheidend ist, um die Welt zum Besseren zu verändern, verortet der humanistisch-intellektuelle Kämpfer in der Erkenntnis, dass die Geschichte des Strebens der Menschheit einen Sinn hat und man darin unweigerlich einen Platz einnimmt. Dass dieser kein beobachtender bleiben muss, legen der Film wie auch die eindrucksvoll historische Persönlichkeit Zieglers auf erkenntnisreiche Weise nahe.

Der Gang der Entwicklung liegt in unserer Hand.
Insofern: Schluss mit Austerität!

Man muss nüchterne, geduldige Menschen schaffen, die nicht verzweifeln angesichts der schlimmsten Schrecken und sich nicht an jeder Dummheit begeistern. Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens.
Antonio Gramsci, „Gefängnishefte“, Heft 28, §11, 1935.

Hier findet ihr den Flyer auch als pdf

 

Details

Datum:
22. Juli 2020
Zeit:
21:00 - 23:30
Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

Philturm
Von-Melle-Park 6
Hamburg, Hamburg 20146 Deutschland