Filmseminar: Yallah Gaza
(Doku | Regie: Roland Nurier | F 2023 | 101 Min. | OmU)
Einführung und anschließende Diskussion mit Dr. Wesam Amer, Dekan der Fakultät für Kommunikation und Sprachen an der Universität Gaza
„Nichts hingegen ist ernsthafter als der Zorn schöner Augen.“
G. E. Lessing, „Laokoon“, 1766.
Der Mensch ist ein vernunftbegabtes, soziales und zutiefst empathisches Wesen. Unrecht gegenüber Seinesgleichen ist daher unausweichlich als Verletzung der eigenen Würde wahrnehmbar, empört alle menschlichen Sinne und erweckt den spontanen Widerstand des humanen Bewusstseins. Die aktuell tiefgreifendste Missachtung aller über die Jahrhunderte errungenen Maßstäbe eines zivilisierten menschlichen Zusammenlebens stellt der derzeitige Umgang des israelischen Staates mit der palästinensischen Bevölkerung dar. Die genozidale Unterdrückung ihres Jahrzehnte währenden, legitimen Kampfes um souveräne Staatlichkeit und ein würdiges Leben in Frieden und sozialer Gerechtigkeit ist ohne die geschichtsverdrehende Akzeptanz und verbrecherische Unterstützung durch die westlichen Gesellschaften undenkbar. Umso eindrucksvoller und beispielgebender ist der fortwährend unverbrüchliche, solidarische Lebens- und Kampfesmut des palästinensischen Volkes – insbesondere im inzwischen beinahe unbewohnbar gemachten Gazastreifen.
Der 2023 vom französischen Regisseur Roland Nurier veröffentlichte Dokumentarfilm „Yallah Gaza“ bildet in diesem Kontext ein unabdingbar lehrreiches, historisch fundiertes und zutiefst bewegendes Plädoyer für die Verallgemeinerung dieses kämpferischen Lebenswillens.
Anhand von zahlreichen Interviews mit Historiker:innen, Künstler:innen, politischen Verantwortungsträger:innen und engagierten zivilgesellschaftlichen Akteuren in Gaza, Israel, Frankreich, Großbritannien und bei den Vereinten Nationen beleuchtet der Film zunächst die historischen Zusammenhänge des Konflikts um die sukzessive Landnahme in Palästina, angefangen bei der Kolonialpolitik der Briten nach dem Ersten Weltkrieg über die israelische Staatsgründung und der stetig gesteigerten, geopolitisch-rassistisch motivierten Entrechtung der arabischen Bevölkerung vor Ort bis zum jüngsten Gazakrieg im Jahre 2021. Gleichzeitig wird die historisch-tradierte Bedeutung des schmalen Küstenstreifens am Mittelmeer mitsamt der politisch-kulturellen Errungenschaften des Widerstandskampfes über mehrere Etappen bis in die Neuzeit dokumentiert. Der gezielten, absichtsvollen Zerstörung aller Lebensgrundlagen durch die israelische Besatzungsmacht (spätestens seit dem Rückzug der IDF-Truppen im Jahre 2005), zu der die politische Isolation der gewählten Hamas-Regierung, eine vollständige Blockade und Kontrolle aller Zufahrtswege zu Land, zu Wasser und in der Luft, die Vernichtung von Böden, Energie-, Wasser- und Nahrungsquellen und jeglicher kulturellen und sozialen Infrastruktur sowie wiederholte willkürliche Gewaltexzesse gegen die Zivilbevölkerung gehören, setzen die Bewohner:innen des Gazastreifens eine immer wieder neu gebildete Qualität ziviler, solidarischer Widerständigkeit entgegen. Dabei wird anhand eindrucksvoller Schilderungen und bewegender Beispiele alltäglich-selbstverständlichen, persönlich-beispielgebenden Aufrichtungsengagements deutlich, wie es mittels des gemeinsamen Kampfes gelingt, auch die tiefgreifenden kulturellen, weltanschaulichen, konfessionellen, geschlechts- und altersspezifischen Unterschiede in der palästinensischen Gesellschaft produktiv aufzuheben.
Auf diese Weise entsteht durch das filmische Mosaik ein konzentriertes Bild der umfassend emanzipatorischen Bedeutung des tief verwurzelten Widerstandskampfes der palästinensischen Bevölkerung für die globale Verwirklichung einer auf Frieden, Völkerrecht, ziviler Entwicklung, grenzen- überschreitender Kooperation und sozial-menschenwürdiger Entwicklung beruhenden, neuen Weltordnung. Der Kampf um die Würde des palästinensischen Volkes ist ein gemeinsamer Kampf um die Würde Aller. Dabei ist jede:r Einzelne von entscheidender Bedeutung für das kollektive Gelingen. So ist das widerständige Wirken selbst eine rundum erfreuliche, befreiende Angelegenheit. „Rechte werden nicht gewährt, sie werden im Kampf errungen!“
Insofern: International solidarisch – Schluss mit Austerität!
Wir zeigen den Film im französisch-englisch-arabischen Originalton mit deutschen Untertiteln.