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Filmseminar: Venezuela: Revolution from the inside out

März 4 @ 20:00 - 23:30

(Doku | Regie: Clifton Ross | USA/VEN 2007 | 85 Min. | OmU)


Wer erkämpft das Menschenrecht? Mit dem völkerrechtswidrigen Angriff der größten Militärmacht der Welt (USA) auf das erdölreichste Land der Welt (Venezuela) am 3. Januar diesen Jahres und den ausweichenden regierungsamtlichen Reaktionen der NATO-Staaten haben die Parteigänger des selbsternannten „Werte-Westens“ bewiesen, was sie von den Schlussfolgerungen aus zwei Weltkriegen, Faschismus und Kolonialismus halten. Das in der UN-Charta kodifizierte unbedingte Gewaltverbot, die Verpflichtung zu Abrüstung, Diplomatie, ziviler Konfliktlösung und kooperativen internationalen Beziehungen sowie das Selbstbestimmungsrecht der Völker sollen im Zweifelsfall durch das „Recht des Stärkeren“ ersetzt werden können. Der gefährliche Rückgriff auf das Primat der (militärischen) Gewalt ist die letzte Auflehnung einer anachronistischen Weltausbeutungsordnung und seiner Profiteure gegen eine Welt im Aufbruch. Die Perspektive einer menschenwürdigen Zivilisationsentwicklung, in der die Bevölkerung weltweit ihre Lebensbedingungen bewusst, planvoll und solidarisch zum Wohle Aller gestaltet, steht unabweisbar auf der zu verwirklichenden gesellschaftlichen Tagesordnung. Gerade die bolivarische Revolution in Venezuela seit 1999 ist ein bemerkenswertes Beispiel für die mögliche Hervorbringung einer solchen Perspektive. Es lohnt also, diesen Prozess erkenntnisbildend zu reflektieren.

Genau dies ermöglicht der 2007 entstandene Dokumentarfilm „Venezuela: Revolution from the inside out“ des US-Regisseurs Clifton Ross.

Anhand von zahlreichen Interviews mit Basisaktivist:innen der verschiedenen venezolanischen Bewegungen zum Aufbau des „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ beleuchtet er die politische, ökonomische und soziokulturelle Entwicklung des über 400 Jahre lang in kolonialer Abhängigkeit gehaltenen Landes seit der Wahl von Hugo Chávez zum Präsidenten im Jahre 1999. Entscheidende Qualität ist dabei das stets neu austarierte Wechselverhältnis von zentraler Leitungsinitiative und partizipativer Massendemokratie auf allen Ebenen der Gesellschaft. Bereits die Wahl selbst war Ausdruck dieser Qualität: Als der Massenaufstand („Caracazo“) gegen die neoliberale Ausplünderung des Landes im Jahre 1989 vom Militär blutig niedergeschlagen wurde, sammelte Chávez eine Gruppe von Mit-Offizieren um sich, die sich der Gewalt widersetzte und die Forderungen der Protestierenden nach gesellschaftlicher Transformation zu eigen machte. Dafür wurde er zehn Jahre später gewählt. Die erste Amtshandlung bestand in der Initiierung eines plebiszitären Verfassungsgebungsprozesses, der alle Basisbewegungen und Bevölkerungsschichten inkludierte und die Grundlagen für die folgenden sozio-ökonomischen Veränderungen schuf. Zu diesen gehörte nicht nur die Teilverstaatlichung der Ölindustrie und weiterer wichtiger Schlüsselsektoren der venezolanischen Wirtschaft. Mithilfe von neugebildeten Kooperativen, Selbstverwaltungsstrukturen und Räten bis zur Nachbarschaftsebene wurden kostenlose Bildungsinstitutionen, Gesundheits- und Lebensmittelversorgungsstrukturen, kulturelle Entwicklungsprogramme, Medieneinrichtungen und Infrastrukturprojekte geschaffen, die nicht nur inhaltlich-konzeptionell den Interessen der bis dahin marginalisierten Bevölkerungsschichten verpflichtet sind, sondern auch von diesen selbst organisatorisch ausgestaltet und bestimmt werden. Auf diese Weise haben die Venezolaner:innen zum ersten Mal in der Geschichte nicht nur die Verwirklichung ihrer grundlegenden sozialen, kulturellen und politischen Rechte erlangt, sondern auch die Souveränität, über den weiteren Gang der gesellschaftlichen Entwicklung kollektiv zu verfügen.

Der Film zeigt auf anschauliche Weise, warum dieser widerspruchsreiche Emanzipationsprozess eine fundamentale Provokation für die herrschende Ungleichheitsordnung des globalen Nordens darstellt. Er vermittelt dabei zugleich, was vom venezolanischen Beispiel gelernt werden kann, um sie global nachhaltig zu überwinden. Eine Bevölkerung, die sich selbst regiert, kann nicht geputscht werden.

International solidarisch – Schluss mit Austerität!

„Der Schüler Ro sagte: Daß es Arme und Reiche gibt, das ist eine Ungerechtigkeit. Me-Ti fügte hinzu: der Reichen. Der Schüler Ro sagte: Die Liebe zur Gerechtigkeit ist bei den Armen größer. Me-Ti sagte: Das weiß ich nicht. Aber die Armen sind auf die Gerechtigkeit angewiesen, die Reichen sind auf die Ungerechtigkeit angewiesen, das entscheidet.“
Bertolt Brecht, „Me-Ti. Buch der Wendungen“, entstanden im Exil der 1930er Jahre.

Den Flyer findet ihr hier auch als [pdf] zum Download.

Details

  • Datum: März 4
  • Zeit:
    20:00 - 23:30
  • Veranstaltungskategorie: