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Filmseminar: Us Kids

Juli 14 @ 21:00 - 23:00

(Doku | Regie: Kim A. Snyder | USA 2020 | 98 Min. | OmU)

Voraussichtlich wieder als Freiluftkino vor dem Philturm, Beginn um 21 Uhr
(bei Regen alternativ überdacht, im Durchgang beim Rechtshaus (Schlüterstraße, höhe Hausnr. 26/28)


Jedes Jahr sterben über 35.000 US-Bürger an den Folgen von Waffengewalt – zum Vergleich: selbst im blutigsten Jahr des Vietnamkriegs (1968) verloren darin weniger als halb so viele US-Amerikaner:innen ihr Leben. Diese Zahl ist das traurige Ergebnis einer verrohten, sozial extrem ungleichen Gesellschaft (People of Colour haben ein achtfach höheres Risiko, Opfer von Waffengewalt zu werden als weiße US-Bürger) und einem schier ungebremsten Einfluss mächtiger Lobbyverbände wie der erzreaktionären National Rifle Association (NRA), die aus den USA ein „Land of freedom fromdemocracy“ gemacht haben.

Doch seit geraumer Zeit erstarken die zivilgesellschaftlichen Kräfte für einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel.

Nachdem am 14. Februar 2018 in Parkland, Florida 17 Schüler der Marjory Stoneman Douglas Highschool von einem Mitschüler in einem weiteren der bereits unzählbar gewordenen, bewaffneten Amokläufe ermordet worden waren, entschieden sich einige überlebende Freunde der Getöteten, der erlittenen Ohnmacht die Stirn zu bieten und die mit den üblichen „Thoughts and Prayers“ propagierte Rückkehr zu einer verstörenden Normalität nicht zu akzeptieren. Dem zutiefst humanen Impetus folgend, alles Notwendige zu tun, um die gesellschaftlichen Ursachen ihrer Wut und Trauer zu beseitigen, formierten sie eine Bewegung, die schon einen Monat später mit dem March for Our Lives für die Verschärfung der Waffenkontrollgesetze einen der bis dahin größten Protestmärsche seit 1968 hervorbringen und das Land nachhaltig verändern sollte.

Der mehrfach preisgekrönte Film der US-Regisseurin Kim Snyder begleitet die jugendlichen Protagonist*innen dieser Bewegung über anderthalb Jahre und dokumentiert dabei auf eindringliche Weise das schier unermüdliche Engagement, mit dem sie ihren Aufschrei in ein zwar irgendwie politisiertes, aber zugleich durch mediale Oberflächlichkeitspropaganda zutiefst abgestumpftes und entdemokratisiertes Land tragen. Ein besonderes Augenmerk legt der Film dabei auf die psychologisch-sozialen und emotional-reflexiven Verarbeitungsprozesse der Aktivist:innen, deren Kampf auch ein stetes Ringen mit tief eingegrabenen Ängsten und Schuldgefühlen, mit Resignation und Verdrängungsmechanismen aller Art ist. Auf diese Weise wird nachhaltig anschaulich gemacht, wie ihre Kampagne zur Abwahl aller NRA-finanzierten Politiker:innen, in deren Verlauf sie nicht nur die Auseinandersetzung mit bewaffneten Trump-Anhängern suchen, sondern auch in Aktivist:innen der BlackLivesMatter-Bewegung natürliche Weggefährt:innen und Mitstreiter:innen finden, eine weitaus tieferreichende Bedeutung entfaltet.

Mit ihrer entwaffnenden Offenherzigkeit, ihrer solidarischen Streit- und Entwicklungsfreude und ihrer unverblümt artikulierten Sehnsucht nach einem angstfreien Leben für Alle durchbrechen sie die gleichgültige Stille, die eine Gesellschaft erzeugt, in der jede Irritation des Ideals einer heilen Welt mit Verdrängung beantwortet werden soll. Lernend, welch wegweisende Vorbilder – nicht zuletzt in den Kämpfen der 68er- und US-Bürgerrechtsbewegung – ihre Auflehnung gegen das Unrecht hat, gelingt es ihnen, aus Trauer Kritik, aus Verzweiflung Mut und aus Resignation Zuversicht zu schaffen und dem millionenfachen Wunsch nach einer besseren Welt die Sprachlosigkeit zu nehmen. So wird auf eindrucksvolle Weise erkennbar: Heilung – gesellschaftlich und je persönlich – gelingt durch das engagierte, gemeinschaftliche Eintreten für umfassend menschenwürdige Lebensverhältnisse.

Zu den größten Erfolgen der Bewegung gehört bereits jetzt, dass die Beteiligung von Jugendlichen an der Präsidentschaftswahl 2020 mit 53% auf einen historischen Höchststand anwuchs, der neugewählte Präsident Joe Biden bereits eine weitreichende Reform des Waffenrechts verkündet hat und die NRA dieses Jahr Insolvenz anmelden musste.

Ein bewegendes Beispiel, von dem sich lernen lässt. Veränderung beginnt mit Opposition. In diesem Sinne: International solidarisch – Schluss mit Austerität!

„Zu Mi-en-leh sagte ein Mensch, der über die Grausamkeiten der Herrschenden empört war: Für die gute Sache würde ich jede anständige Tat begehen. – Und was würdest du noch für die gute Sache tun? fragte Mi-en-leh, der noch nicht zufriedengestellt schien.
Bertolt Brecht, „Me-Ti. Buch der Wendungen“, entstanden im Exil der 1930er Jahre.

Hier findet ihr den Flyer auch als pdf.

Details

Datum:
Juli 14
Zeit:
21:00 - 23:00
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