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Filmseminar: The Trial of the Chicago Seven

April 7 @ 18:00 - 22:00

(Spielfilm | Regie: A. Sorkin | USA 2020 | 129 Min. | deu)

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, den 07. April 2021 statt und beginnt um 18 Uhr im Abaton Kino (Allende-Platz 3). Im Anschluss wird es wie immer Gelegenheit zur Diskussion geben. Das Filmseminar gegen Austerität wird als studentisches Seminar organisiert. Zur Teilnahme bitten wir um eine kurze Anmeldung per Mail an kontakt[at]schluss-mit-austeritaet.de.


Im März 1969 wird gegen Abbie Hoffman, Jerry Rubin, David Dellinger, Tom Hayden, Rennie Davis, John Froines, Lee Weiner und Bobby Seale Anklage wegen Verschwörung, Aufhetzung und etlichen weiteren Vergehen erhoben. Sie hatten ihr Grundrecht auf Versammlungsfreiheit wahrgenommen und Massenproteste organisiert. Allerdings nicht irgendwann, irgendwo und für irgendwas – sondern Ende August 1968, in unmittelbarer Nähe zum Parteikonvent der Demokraten in Chicago, für die sofortige Beendigung des Vietnamkriegs.

Der Konvent sollte Hubert Humphrey, bis dato Vizepräsident und für die Fortführung des bereits vier Jahre andauernden, brutal inhumanen und völkerrechtswidrigen Militäreinsatzes eintretend, zum Präsidentschaftskandidaten für die bevorstehende Wahl küren. Nachdem nur zwei Monate zuvor Robert Kennedy, der als aussichtsreicher Anwärter einen Kurs sozial-fortschrittlicher Transformation und außenpolitischer Entspannung repräsentiert hatte, ebenso ermordet worden war wie zuvor sein Bruder John F. Kennedy und die Bürgerrechtsaktivisten Medgar Evers, Malcolm X und Martin Luther King Jr., war Humphreys Nominierung ausgemachte Sache.

Die Proteste wurden mit massivem polizeilichen und geheimdienstlichen Aufwand gewalttätig eskaliert und niedergeknüppelt.

Die Wahl 1968 gewinnt der Republikaner Richard Nixon, der mit seiner reaktionären Agenda den Krieg noch ausweiten will. Um mit der aufrührerisch-überzeugenden Friedensbewegung, die dem restaurativen Establishment schon lange ein Dorn im Auge ist, endgültig aufzuräumen, soll sein Justizminister die Gewaltvorfälle nutzen, um an den „Rädelsführern“ ein juristisches Exempel zu statuieren.

Der Prozess konfrontiert die Friedensaktivisten mit der ganzen Dimension skrupelloser Willkür, rassistischer und chauvinistischer Herabwürdigung, verleumderischer Hatz und gewalttätiger Entmenschlichung eines Machtapparats, der sich in seinem wichtigsten Selbsterhaltungsprinzip – kulturell-repressive Deckelung der enormen sozialen Konflikte im Innern durch militärische Aggression nach Außen – zutiefst in Frage gestellt sieht.

Die Repräsentanten der Bewegung, weltanschaulich höchst heterogen zusammengesetzt aus sozialrevolutionär orientierten Black Panthers, sozialreformerischen Aktivisten der Students for a Democratic Society, anarchistischen Aussteigern der Youth International Party und gutsituierten, bürgerlichen Pazifisten, verteidigt durch den Bürgerrechtsanwalt William Kunstler, eint jenseits des entschiedenen Willens, eine friedliche, sozial gerechte und kulturell egalitäre Welt durchzusetzen, wenig. Im Laufe des Prozesses sind sie jedoch gezwungen, nicht nur die persönlich und zivilisationsgeschichtlich fundamentale Bedeutung und Wirksamkeit dieser Einigkeit neu zu begreifen, sondern sie auch neu im Konflikt mit den hochorganisierten Gegnern einer solchen Welt zur Geltung zu bringen und dafür jeweils ihre bisherigen positionellen Begrenztheiten im produktiven Disput untereinander zu überschreiten.

Der für heutige Verhältnisse bemerkenswert feinsinnig inszenierte Film zeigt dabei spannungsreich, unterhaltsam und erhellend zugleich, wie dies gelingen kann und so der beabsichtigte Schauprozess zu einer weltöffentlichen Anklage des Krieges selbst wird. Er vermittelt dabei zugleich eine hochaktuelle Erkenntnis für das Gelingen eines neuen Aufbruchs: Die Menschenliebe, persönlich, streitbar und kooperativ verwirklicht, ist nicht nur Movens und Ziel, sondern auch entscheidende Stärke in der Auseinandersetzung für eine menschenwürdige Welt.

Frieden ist die Überwindung der strukturellen Gewalt und die entfesselte, kreative Produktivität einer solidarisch assoziierten Menschheit.

Unterstützt die Volksinitiative zum Stopp aller Rüstungsexporte über den Hamburger Hafen (https://ziviler-hafen.de/)!

International solidarisch – Schluss mit Austerität!

„Und der Inhalt ist die Hegemoniekrise der führenden Klasse, die entweder eintritt, weil die führende Klasse in irgendeiner großen politischen Unternehmung gescheitert ist, für die sie den Konsens der großen Massen mit Gewalt gefordert oder durchgesetzt hat (wie der Krieg), oder weil breite Massen (besonders von Bauern und intellektuellen Kleinbürgern) urplötzlich von der politischen Passivität zu einer gewissen Aktivität übergegangen sind und Forderungen stellen, die in ihrer unorganischen Komplexität eine Revolution darstellen.“
Antonio Gramsci, „Gefängnishefte“, Heft 13, §23, 1932-34.

Hier findet ihr den Flyer bald auch als pdf

Details

Datum:
April 7
Zeit:
18:00 - 22:00
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