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Filmseminar: The Gatekeepers

Juni 30 @ 21:00 - 23:00

(Doku | Regie: Dror Moreh | IL 2012 | 95 Min. | deu)

Voraussichtlich wieder als Freiluftkino vor dem Philturm, Beginn um 21 Uhr


Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet ist seit seiner Gründung 1949 ein gewichtiger Akteur in der Dynamik des Nahostkonflikts. Offiziell eingerichtet zur Spionageabwehr, Terrorismusbekämpfung und zum Schutz wichtiger staatlicher Einrichtungen und Personen, ist er spätestens seit 1967, als Israel im Sechs-Tage-Krieg völkerrechtswidrig die Gebiete umOstjerusalem, die Golan-Höhen, das Westjordanland und den Gaza-Streifen besetzte, auch ein wesentlicher Faktor der gewalttätigen Repression gegenüber der palästinensischen Bevölkerung.

Zu seinen Praktiken gehören neben der Anwerbung von Spitzeln und Informanten umfangreiche Abhör- und Überwachungsaktivitäten, die Bereitstellung von Informationen für militärische Operationen wie beim Libanonkrieg (1980-82), die Entführung und das Verhör von Zivilpersonen zur Informationsbeschaffung (nicht selten unter Einsatz von international geächteten Methoden) sowie verdeckte Operationen zur sog. Terrorismusbekämpfung bis hin zu gezielten, außergerichtlichen Tötungen.

Umso bemerkenswerter und aufschlussreicher sind die Aussagen des vorliegenden Dokumentarfilms, denn sie stammen sämtlich und unkommentiert von sechs der sieben Personen, die diesen wichtigsten israelischen Geheimdienst in den Jahren 1980-2011 leiteten. Die Zeugnisse, die sie ablegen, beziehen sich auf den Wandel der Rolle des Dienstes seit dem Sechs-Tage-Krieg, auf die zunehmende Verrohung der Vorgehensweisen in den 1980er-Jahren, auf die erste Intifada 1987, auf den Osloer Friedensprozess und die Ermordung Yitzhak Rabins Mitte der 1990er-Jahre, auf den Rechtsruck der israelischen Gesellschaft unter dem wachsenden Einfluss der Siedlerbewegung und auf die jüngeren Entwicklungen seit der zweiten Intifada 2000.

Durch die unverblümt offenen und klaren Worte, die der Regisseur seinen Interviewpartnern entlockt, entsteht ein hochgradig realistisches und lebendiges Bild der ideologischen Triebkräfte des dramatisch zugespitzten Konflikts. Dabei wird vor allem deutlich, dass Abschottung, Unterdrückung, Entrechtung, Militarisierung, religiöser Fundamentalismus, Hetze und Gewalt die größten Feinde eines gelingenden Friedensprozesses sind, die stets von Rechts gesät werden und sich wechselseitig legitimieren. Es erwächst zudem ein tiefgreifender Eindruck von der weitdimensionierten Entmenschlichung, die die Besatzungspolitik Israels sowohl für die palästinensische wie aber auch für die israelische Gesellschaft selbst bedeutet.

Wenn sogar die im zynisch-pragmatischen Alltagsgeschäft staatlicher Gewaltausübung geschulten Chefs eines Geheimdienstes sich mit dem dringenden Appell an die israelische Politik und Öffentlichkeit wenden, dass nur Dialog und diplomatische Verhandlungen – unter Einschluss von Hamas und islamischem Dschihad – zu einer Besserung der Lage führen können, wenn sie die israelische Besatzung mit dem Vorgehen der Deutschen gegenüber den okkupierten Ländern im Zweiten Weltkrieg vergleichen und die Erkenntnis formulieren, dass nur gegenseitiges Vertrauen und ein eigenständiger, palästinensischer Staat die von allen in der Region ersehnte Sicherheit auf Dauer garantieren können, dann ist das eine überzeugende Agenda, die sich die internationale Weltgemeinschaft und allzumal die bundesdeutsche, politische Öffentlichkeit dringlichst auf die Fahnen schreiben sollte.

Das geschichtsbewusste, aufklärerische Engagement für zivile Entwicklung, soziale Gleichheit und die globale Verwirklichung der Menschenwürde und des Völkerrechts ist die notwendige Alternative zu NATO-Geopolitik, Waffenlieferungen und unbedingten „Solidaritätsbekundungen“.   Den Frieden zu schaffen ist eine fundamentale Aufgabe allseitiger, menschlicher Kultivierung. Das produktive Zusammenleben soll grenzenlos gedeihen. Darum: International solidarisch – Schluss mit Austerität!

 

>Der Staat Israel wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen.< [israelischeUnabhängigkeitserklärung, 1948] In tiefer Sorge frage ich heute, ob die Besetzung und Kontrolle eines anderen Volkes mit Israels Unabhängigkeitserklärung in Einklang gebracht werden kann. Wie steht es um die Unabhängigkeit eines Volkes, wenn der Preis dafür ein Schlag gegen die fundamentalen Rechte eines anderen Volkes ist?“
Rede des argentinisch-israelischen Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim vor der Knesset, 10. Mai 2004.

Den Flyer findet ihr hier auch als pdf

Details

Datum:
Juni 30
Zeit:
21:00 - 23:00
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