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Filmseminar: Magere Zeiten – der Film mit dem Schwein

Januar 21 @ 20:00 - 23:30

(Spielfilm | Regie: Malcolm Mowbray | GB 1984 | 94 Min. | deu)


Verzichtspolitik ist kriegsrelevant. Während die große Mehrheit der Bevölkerung unter Anrufung von allerlei Sekundärtugenden (Fleiß, Disziplin, Leistungswillen, Opferbereitschaft, etc.) soziokulturelle Entbehrungen (=Austerität) als alternativlos akzeptieren soll, wissen einige Wenige gar nicht mehr wohin mit all den Milliardengeschenken aus öffentlicher Hand. Das nennt sich dann „eine nationale Kraftanstrengung“. Wer stattdessen begründet höhere Ansprüche an das gesellschaftliche Leben im Sinne einer zivilen, egalitären und solidarischen Entwicklung vertritt, gilt schnell als Lüstling, Sozialneider oder Vaterlandsverräter. Die Versuche des individuellen Arrangements mit dieser schädlichen Doktrin treiben neurotische Blüten. Sie sind heiter aufzulösen.

Ein in dieser Hinsicht beispielgebendes Filmwerk ist die 1984 im scharfen Kontra zur Austeritätspolitik Margret Thatchers entstandene Satire „Magere Zeiten – der Film mit dem Schwein“ des britischen Regisseurs Malcolm Mowbray.

Die Handlung spielt in einer englischen Provinzstadt des Jahres 1947. Nach dem Krieg sind durch die neugewählte Labour-Regierung weitreichende Sozialreformen ins Werk gesetzt worden, die auf eine Egalisierung der Lebensverhältnisse zielen. Aufgrund der Kriegsschäden und der wirtschaftlichen Kujonierung durch die USA gilt jedoch noch eine strikte Lebensmittelrationierung, die insbesondere den höheren Schichten ein Dorn im Auge ist. Die (klein-)bürgerlichen Honoratioren der Stadt – Buchhalter, Jurist, Arzt und Stadtverordneter – kollaborieren mit dem lokalen Schlachter, der Polizei und einem Mastbauern, um die rigiden Vorschriften zu umgehen. Sie wollen mit der Feierlichkeit für die anstehende Hochzeit des britischen Thronfolger-Paares ein Fanal für die Wiederherstellung der alten Ungleichheitsordnung setzen und mästen zu diesem Zwecke heimlich ein „undeklariertes“ Schwein. Doch nicht nur der staatliche Rationierungskontrolleur ist ihnen auf den Versen. Auch der unbescholtene Fußpfleger Chilvers, der Prototyp des braven, ordnungsliebenden Spießers, droht, ihre Pläne zu durchkreuzen. Nachdem er bei einer seiner Behandlungstouren das Schwein entdeckt, nötigt ihn seine nach Aufstieg und Anerkennung gierende Frau, es zu stehlen und zu Geld und Einfluss zu machen. In einem blutigen und erpresserischen Komplott verbündet sie sich mit dem reaktionären, ärztlichen Drahtzieher der Affäre und setzt sich so gegen ihren skrupulösen Ehemann und die staatlichen Kontrollbehörden durch. Das Schwein wird geschlachtet, das Festmahl findet statt, die patriotische Hausfrau ist in die „feine Gesellschaft“ aufgenommen und die alte Ordnung im „Empire“ wiederhergestellt – zumindest nach außen hin.

Die scheinbar harmlose Handlung dient dabei der Satire zur umso beißenderen, aufklärerischen Auseinandersetzung mit ihrem eigentlichen Gegenstand: den bornierten Mentalitäten einer kulturell konservativen, zutiefst verlogenen Sittenmoral. Ihr menschenfeindliches Wesen – alle genussreiche Entfaltung unter moralischen Bannfluch zu stellen, damit die qualitative Wertigkeit von produktiven und sinnlich-vitalen Bedürfnissen zugunsten letzterer zu pervertieren, ihre Einheit zu verneinen und so ihren jeweiligen Inhalt auf tierisches Niveau zu reduzieren – wird schonungslos offengelegt und der heiteren Kritik anheimgestellt. Auf diese Weise lässt sich ein substantiell überzeugendes Movens bilden für die grundlegende Infragestellung und Überwindung jeglicher Ungleichheit – politisch, sozial und kulturell. Der allseitigen Entfaltung eines produktiven, genussreichen, erfreulichen, rundum menschenwürdigen Daseins im globalen Maßstab seien keine Grenzen gesetzt. Das Lachen weist den Weg. Wir sind keine Tiere.

International solidarisch – Schluss mit Austerität!

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.“
Heinrich Heine, „Deutschland. Ein Wintermärchen“, 1844.

Den Flyer findet ihr hier demnächst auch als [pdf] zum Download.

Details

  • Datum: Januar 21
  • Zeit:
    20:00 - 23:30
  • Veranstaltungskategorie:

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