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Filmseminar: L’orage africain

27. September 2023 @ 20:00 - 23:30

(Spielfilm | Regie: Sylvestre Amoussou | BEN/F 2016 | 89 Min. | OmU)

Wir schauen und diskutieren den Spielfilm „L’orage africain“ von Sylvestre Amoussou aus dem Jahr 2017 und freuen uns sehr, dass der Regisseur und Hauptdarsteller des Films Sylvestre Amoussou zugesagt hat für die Einführung und Diskussion zum Film nach Hamburg zu kommen!

Der Film wird im französischen Originalton (erstmalig) mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Beginn schon um 20 Uhr,
Auf dem Campus, bei schlechtem Wetter im Anna-Siemsen-Hörsaal, Von-Melle-Park 8, 20146 Hamburg.


Die „regelbasierte“ Ordnung des sogenannten „Werte“-Westens ist an Verlogenheit kaum zu überbieten. Menschheitsgeschichtlich mühsam errungene, völkerrechtliche Normen und Werte (Selbstbestimmungsrecht der Völker, Demokratie, Freiheit, Menschenrechte, etc.) interessieren seine Repräsentant:innen nur insoweit, wie sie dafür benutzt werden können, Gewaltmaßnahmen zur Durchsetzung eigener geopolitischer und wirtschaftlicher Bestrebungen gegen andere Staaten zu rechtfertigen, die sich nicht freiwillig dem Vorrang westlicher Interessen unterordnen. Unappetitlichster Ausdruck dessen ist das Verhältnis von EU und USA gegenüber den afrikanischen Staaten. Schon im Zuge der Unabhängigkeitskämpfe des 20. Jahrhunderts stellten die ehemaligen Kolonialmächte auf verschiedensten Wegen sicher, dass aus der Eigenstaatlichkeit wenig mehr als ein Formwandel der jahrhundertealten Abhängigkeitsstrukturen zur Ausplünderung des rohstoffreichen Kontinents erwachsen konnte. Sobald sich die Führung eines afrikanischen Landes anschickte, tatsächliche soziale, kulturelle und ökonomische Souveränität zu erlangen, musste sie früher oder später mit der gewaltvollen Reaktion des Westens rechnen. Von Sanktionen, politischen Morden, finanzierten Staatsstreichen über die Entfachung von Bürgerkriegen und Völkermorden bis hin zur militärischen Intervention blieb dabei kein völkerrechtswidriges Mittel ungenutzt. Auf Mitleid aus den reichen Industrienationen durften die „Verdammten dieser Erde“ stets rechnen. An eine souveräne Entwicklung auf Augenhöhe hatten sie nicht im Traum zu denken.

Dieses Fatum beginnt jedoch zu bröckeln, wie die jüngsten Entwicklungen in Burkina Faso, Mali, Niger und anderenorts zeigen. Dazu trägt nicht nur die wachsende Kooperation ehemals kolonialisierter Staaten im Rahmen des BRICS-Bündnisses bei, sondern auch kulturelle Hervorbringungen von Intellektuellen wie dem Filmemacher Sylvestre Amoussou, deren Werke kein bedauernswertes, sondern ein kämpferisch-selbstbewusstes Afrika in den Fokus ihrer Kunst stellen.

Der Film „Sturm über Afrika“ gehört zu diesen Werken und macht seinem Namen alle Ehre. Schon bei der Premiere 2017 auf dem größten, afrikanischen Filmfestival in Ouagadougou entfachte er veritable Orkane der Begeisterung. Und das nicht ohne Grund: skizziert er doch realitätsnah eine Möglichkeit, die zur befreienden Verwirklichung drängt.

Der Präsident des fiktiven afrikanischen Staates Tangara verkündet auf Grundlage eines Referendums die sorgfältig vorbereitete Verstaatlichung aller wichtigen Rohstoffvorkommen und Produktionsstätten des Landes. Über umfassende Investitionen in Infrastruktur, Bildungs-, Kultur-, Sozial- und Gesundheitswesen soll so die notleidende Bevölkerung endlich in den Genuss der Reichtümer ihrer Arbeit und ihrer natürlichen Ressourcen kommen.

Das ruft die ausländischen Investoren und Minenbetreiber auf den Plan, die mit Milliardensummen, der Hilfe ihrer heimischen Regierung sowie geheimdienstlicher Unterstützung vor Ort eine Sabotage-Kampagne zur Destabilisierung Tangaras entfachen, um die Verstaatlichungen zu stoppen und den Präsidenten zu stürzen. Dafür werden Nachrichtenkanäle mit der Verbreitung von Falschmeldungen beauftragt, Regierungsangehörige bestochen und mit bezahlten Söldnern Gewalt, Hass, Angst und Zwietracht unter der Bevölkerung gestiftet, um letztlich das Eingreifen einer UN-Armee zu rechtfertigen, unter deren Deckmantel die alte Ordnung wiederhergestellt werden soll. Die Verschwörer haben allerdings die Rechnung ohne die furchtlos für ihr Recht eintretenden Menschen Tangaras gemacht, die sich von der Perspektive, ihr Schicksal endlich in die eigene Hand nehmen zu können, nicht abbringen lassen. So gelangen letztlich die Machenschaften der Neo-Kolonisatoren ans Licht der Weltöffentlichkeit, die Interventionspläne laufen ins Leere und die Befreiung für eine neue Etappe der souveränen, zivilen und solidarischen Entwicklung gelingt.

In packend erzählten Bildern und stimmigen Szenarien wird die filmische Fiktion so zu einem Weckruf für die Sehenden vor der Leinwand. Das Gezeigte ist reale Möglichkeit. Der Gang der Geschichte liegt in unserer Hand. Das Menschenrecht ist eine universell zu erstreitende Angelegenheit der Beherrschten. Es bedeutet die Realisierung der Freiheit zur kollektiven Gestaltung einer humanen Welt. Es gibt immer eine Alternative.

Darum: Brot, Frieden, Würde – jetzt! International solidarisch: Schluss mit Austerität.

 „Der Befreiungskampf gibt der nationalen Kultur nicht ihren alten Wert und ihre früheren Konturen wieder: er strebt eine grundsätzliche Neuordnung der Beziehungen zwischen den Menschen an und kann daher weder die Formen noch die Inhalte der Kultur unberührt lassen.“
Frantz Fanon, „Die Verdammten dieser Erde“, 1959.

Den Flyer findest du hier auch als [pdf]

Sowie auf [English] und [Français].

 

Die Filmvorführung wird unterstützt vom KED, dem Kirchlichen Entwicklungsdienst der Nordkirche, sowie von „Umverteilen! Stiftung für eine, solidarische Welt“.

Details

Datum:
27. September 2023
Zeit:
20:00 - 23:30
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