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Filmseminar: Les mains libres

Februar 4 @ 20:00 - 23:30
(Spielfilm | Regie: Ennio Lorenzini | IT/ALG 1964 | 56 Min. | OmU)

Wer verwirklicht Freiheit, Demokratie, Frieden und die Souveränität der Völker? Die regierungsamtlich-medialen Kreuzritter der „westlichen Werteordnung“ jedenfalls tun das Gegenteil. Wenn es um die Absicherung oder Ausweitung der eigenen geopolitischen Einflusssphären, Handelsrouten, Rohstoffzugänge und Absatzmärkte geht, dann treten sie das gegenüber unliebsamen Staaten gern in Anschlag gebrachte Völkerrecht und die damit verbundenen zivilisatorischen Errungenschaften aus der Befreiung vom Faschismus mit Stiefeln. Die Länder des globalen Südens kennen diese Doppelmoral zur Genüge – nicht erst seit der jüngsten völkerrechtswidrigen US-Invasion in Venezuela. Schon der Kolonialismus basierte auf dem Prinzip der gewaltsamen Unterdrückung im Namen der „Zivilisation“. Die Herausforderungen, die mit seiner Überwindung verbunden waren, können daher heute neu lehrreich reflektiert werden für die tatsächliche Verwirklichung einer gewaltfreien, solidarischen, menschenwürdigen Zivilisationsentwicklung.

Besonders gute Anregungen dazu bietet der 1964 veröffentlichte Dokumentarfilm „Les mains libres“ des italienischen Regisseurs Ennio Lorenzini über das gerade (1962) seine Unabhängigkeit erkämpft habende Algerien.

Das lange Zeit in Archiven verschüttete Filmwerk entstand unter Mitwirkung der sozialistisch orientierten, ersten Regierung Algeriens, gebildet von den Befreiungskämpfer:innen der FLN und skizziert episodenhaft den widerspruchsreichen Aufbruch eines über 130 Jahre lang in Unterentwicklung gehaltenen Volkes – hin zur souveränen Gestaltung der eigenen Gegenwart und Zukunft unter ökonomisch und soziokulturell schwierigsten Bedingungen.

Beleuchtet wird dabei zunächst das Ringen um die Aufhebung des durch den Kolonialismus massiv verschärften Widerspruchs zwischen Stadt und Land respektive „moderner“ und „traditioneller“ Lebensweise. Sinnbildlich dafür steht die wechselhafte Geschichte des Hafens von Algier, der als Zentrum des Seehandels über das Mittelmeer das Tor zur Welt darstellt, von dem gleichzeitig Öl-Pipelines in die entlegensten Wüstenregionen ausgehen, wo das kärgliche Leben der häufig nomadischen Landbevölkerung noch nach den Prinzipien einer weitestgehend geschlossenen Subsistenzwirtschaft organisiert ist. Der zweite Teil widmet sich den spezifisch kulturellen Herausforderungen bei der Überwindung des kolonialen Erbes, denn Statuen, Foltergefängnisse und auch unzählige Weingüter im Großgrundbesitz tragen die Spuren von Terror, Gewalt und Entmenschlichung fort, auch wenn sie niedergerissen, umgestaltet und besseren Zwecken zugeführt werden können. Die dritte Episode rückt daher auch die Notwendigkeit der Herausbildung neuer demokratischer Strukturen, Denk- und Handlungsweisen in den Vordergrund. Das betrifft unter anderem das neu eingeführte Prinzip der kollektiven Selbstverwaltung in der Landwirtschaft, aber auch die Frage der öffentlichen Streitkultur, z.B. in Debatten darüber, wie die neue Entwicklungsetappe zu begreifen ist und wie dabei das Verhältnis widerstreitender Ideen- und Wertesysteme (z.B. Islam, Sozialismus, Partei- und Staatsbürokratie) in produktiven Einklang zu bringen ist. Durch alle Aspekte zieht sich jedoch ein Grundgedanke: Damit der Fortschritt in eine bessere, humane Gesellschaft gelingt, braucht es eine neue Kultur, einen „neuen Menschen“, der sich solidarisch verantwortlich begreift für das gemeinsame Schicksal von Seinesgleichen.

So vermittelt der Film den lebendigen Eindruck eines revolutionären Prozesses, der zunächst darin mündet, dass die zu gewärtigenden gesellschaftlichen Herausforderungen in neuer Klarheit zu Tage gefördert und als lösbar erkannt werden können. Die Welt braucht einen solchen Umbruch heute mehr denn je. Ein X ist kein U. Waffen schaffen keinen Frieden. Die Verwirklichung des Völkerrechts, von Freiheit, Demokratie und (sozialer) Souveränität können wir nur selber tun.

Darum: International solidarisch – Schluss mit Austerität!

Me-Ti sagte: Das Vertrauen der Völker wird erschöpft, in dem es beansprucht wird.“
Bertolt Brecht, „Me-Ti. Buch der Wendungen“, entstanden im Exil der 1930er Jahre.

 

Den Flyer findest du hier auch als [pdf] zum Download.

Details

  • Datum: Februar 4
  • Zeit:
    20:00 - 23:30
  • Veranstaltungskategorie:

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