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Filmseminar: Komm und sieh

Juni 16 @ 21:00 - 23:30

(Spielfilm | Regie: E. G. Klimow | SU 1985 | 146 Min. | OmU)

Bei der nächsten Vorstellung am Mittwoch, den 16. Juni 2020, ab 21 Uhr schauen und diskutieren wir zusammen den Antikriegsfilm Komm und sieh von Elem G. Klimow aus dem Jahr 1985 – diesmal wieder als Freiluftkino am Uni-Campus! 

 Abweichend voraussichtlich wieder als Freiluftkino vor dem Philturm, Beginn um 21 Uhr


Am 22. Juni 1941 überfiel die faschistische Wehrmacht die Sowjetunion und entfesselte mit dem Raub- und Vernichtungsfeldzug Kriegsverbrechen von in der Menschheitsgeschichte unvergleichbarem Ausmaß. Millionenfach Hunger und Elend, entsetzliches Leiden, komplett verwüstete und auf längere Zeit unbewohnbar gemachte Landstriche und über 27 Millionen ermordete Sowjetbürger hatten die Besatzer hinterlassen, als ihnen am 8. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst von der siegreichen Roten Armee die Rechnung präsentiert und mit der Befreiung vom Hitler-Regime den Deutschen die großzügige Möglichkeit eröffnet wurde, ihre Würde und ihr Ansehen vor der Welt wiederherzustellen.

Heute, 80 Jahre danach, fragt man sich, was eigentlich aus zwei Weltkriegen gelernt wurde, wenn deutsche Medien unbelegt vom „kriegslüsternen“ Putin behaupten, er wolle demnächst im Baltikum einfallen, wenn deutsche Politiker*innen sich großspurig in die inneren Angelegenheiten Weißrusslands einmischen, als wäre es deutsches Hoheitsgebiet, wenn im östlichen „EU-Erweiterungsgebiet“ ständig „farbige Revolutionen“ von hier aus finanziert werden, die regelmäßig in dunkles Braun übergehen oder wenn gar deutsche Panzer über dieselben Landstraßen wie ehedem gen Osten bis an die russischen Außengrenzen rollen im Rahmen des NATO-Militärmanövers „Defender Europe 2020/21“, für das offenbar keine deutsche Steuermilliarde zu schade zu sein scheint, während hierzulande gleichzeitig über mangelnde Kapazitäten im Gesundheitswesen und Schulen ohne Luftfilter geklagt wird.

Man möchte all jenen, die so nonchalant mit dem Feuer spielen, eine kleine Geschichtsstunde verordnen. Diese würde neben der Charta der Vereinten Nationen (Gewaltverbot in internationalen Beziehungen und Selbstbestimmungsrecht der Völker), dem Grundgesetz (Friedensfinalität und Verbot der Vorbereitung von Angriffskriegen) und dem 2+4-Vertrag zur deutschen „Wiedervereinigung“ (keine NATO-Ostexpansion über das Gebiet der ehemaligen DDR hinaus) unbedingt auch den Film „Komm und Sieh“ beinhalten.

Selten hat es ein Filmwerk geschafft, auf so eindringliche und zugleich rationale Weise die Verabscheuungswürdigkeit des Krieges insgesamt und speziell des bestialischen Wütens der Wehrmacht im okkupierten Weißrussland anschaulich zu machen, ohne dabei in Verzweiflung zu enden.

Mit zum Teil surrealer Bildsprache folgt die Geschichte, als Roman 1971 verfasst vom weißrussischen Schriftsteller und ehemaligen Partisanen Ales Adamowitsch, dem 14-jährigen Fljora, der sich, zunächst den Krieg nur spielend, aus Abenteuerlust den Partisanen seines Dorfes anschließen will. Als diese ihn beim nächsten Einsatz jedoch aufgrund seiner Unerfahrenheit im Waldlager zurücklassen und deutsche Fallschirmjäger das Lager überfallen, beginnt seine traumatisierende Flucht durch die Wirren des echten Krieges. Dabei erfährt er nicht nur, dass die Deutschen sein Dorf heimgesucht und seine Familie ermordet haben. Er muss gezwungenermaßen auch der Vernichtung des Nachbardorfes beiwohnen, dessen Bewohner von den Faschisten in der Kirche zusammengetrieben und bei lebendigem Leibe verbrannt werden. Als er, durch Glück entkommen, völlig verstört und sichtlich gealtert, wieder auf die Partisanen trifft, haben diese die Verbrecherverbände inzwischen umstellt und entwaffnet. In dieser unausweichlichen Konfrontation ist Fljora mitsamt dem Zuschauer jäh vor eine fundamentale Erkenntnis gestellt: bei aller berechtigten Genugtuung, die es hieße, an den deutschen Peinigern Rache zu üben, ist so weder das Geschehene ungeschehen zu machen, noch die Rohheit zu beenden. Es bleibt nur eine einzige Alternative: die Menschlichkeit muss im Kampf mit der Barbarei triumphieren.

Eine Pointe, die an historischer Größe und Aktualität kaum zu überbieten ist. Sie sagt alles über das Wesen des Krieges, der, wie der Film nachhaltig zeigt, keine Sieger kennt. Den dieser Einsicht gemäß Handelnden verdanken wir, dass es überhaupt noch so etwas wie eine deutsche Gesellschaft gibt, über die man sich Gedanken machen kann und heute allemal muss.

Die Lehren aus der Geschichte sind beherzt zu verwirklichen: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg! International solidarische Entwicklung statt Aufrüstung – Schluss mit Austerität!

 

Meinst du, die Russen wollen Krieg?
Befrag die Stille, die da schwieg
im weiten Feld, im Pappelhain,
Befrag die Birken an dem Rain.
Dort, wo er liegt in seinem Grab,
den russischen Soldaten frag!
Sein Sohn dir darauf Antwort gibt:
Meinst du, die Russen wollen Krieg?“
Jewgeni A. Jewtuschenko, „Meinst Du, die Russen wollen Krieg?“, 1961.

Den Flyer findet ihr hier auch als pdf

Details

Datum:
Juni 16
Zeit:
21:00 - 23:30
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