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Filmseminar: Iwans Kindheit

Juni 26 @ 21:00 - 23:30

(Spielfilm | Regie: Andrei Tarkowski | SU 1962 | 95 Min. | deu)

Abweichend hinter dem Gebäude der Erziehungswissenschaft (VMP 8).


Am 22. Juni 1941 begann der von langer Hand geplante Überfall des faschistischen Deutschland auf die Sowjetunion. Mehr als 27 Millionen Menschen fielen dem grausamen Raub- und Vernichtungsfeldzug zum Opfer. Dennoch gelang es der leidgeprüften Bevölkerung des sozialistischen Vielvölkerstaates (mit Unterstützung der Anti-Hitler-Koalition und den international vereinten Kräften des antifaschistischen Widerstands), die Welt von der Barbarei des selbst ernannten „Herrenmenschentums“ zu befreien. Ohne das Leben und Wirken dieser Menschen wäre das, was hierzulande so gern als „freiheitlich-demokratische Wertegemeinschaft“ gefeiert wird, undenkbar.

Das hält die hiesigen medialen, politischen und rüstungsindustriellen „Werte“-Apostel allerdings nicht davon ab, den momentanen Krieg in der Ukraine als willkommenen Anlass dafür zu sehen, sich von der historischen Verantwortung Deutschlands und den Schlussfolgerungen aus der Befreiung 1945 für das friedliche Zusammenleben der Völker endlich frei machen zu können und die neuerliche militärische Unterwerfung Russlands zur obersten Priorität deutscher Politik zu erheben. Höchste Zeit also, das Bewusstsein für diese geschichtlicheVerantwortung neu zur Geltung zu bringen.

Der Film „Iwans Kindheit“ von Andrei Tarkowski, entstanden in der entspannungspolitischen „Tauwetter“-Periode der Chruschtschow-Jahre nach einer 1957 veröffentlichten Erzählung Wladimir Bogomolows, gehört zu den internationalen Meisterwerken des Anti-Kriegs-Kinos.

Er erzählt die fiktive Geschichte des elfjährigen Iwan, der als Freiwilliger in der geheimen Aufklärungsabteilung der Roten Armee besonders gefährliche Kundschafter-Einsätze hinter der Frontlinie der Deutschen am Dnjepr übernommen hat. Bei einem Einsatz verliert er seine klandestinen Begleiter und muss allein zurück durch den Fluss schwimmen, um seine Erkenntnisse dem Stab mitteilen zu können. Der Offizier Galzew, der Iwan am anderen Ufer aufgreift, glaubt dem für sein Alter viel zu abgeklärt wirkenden Jungen kein Wort. Als jedoch der Stabsoffizier anrückt und der verschlossene Iwan ihm kindlich um den Hals fällt, beginnt Galzew langsam zu begreifen. Iwan hat die Kriegsgreuel der Deutschen leibhaftig erlebt. Seine Eltern und seine Schwester wurden von ihnen kaltblütig ermordet, er selbst in einem Vernichtungslager beinahe zu Tode gequält, bevor er befreit wurde. Am Leben hält ihn der unbezwingbare Wille, den Übeltätern endgültig das Handwerk zu legen und den Krieg ein für alle Mal zu beenden. Keine Zurede der sorgsamen Sowjetoffiziere kann ihn davon abbringen, an der Front zu diesem Zweck beitragen zu wollen. Zu tief sitzen die Wunden, die ihn in Traumsequenzen immer wieder heimsuchen und das erlebte Schicksal der Freunde und Kameraden, für die er sich mitverantwortlich sieht, lässt ihm keine Ruhe. Die Offiziere wissen auch deswegen dem Willen Iwans nichts Überzeugendes entgegenzusetzen, weil sie in seinen Erfahrungen die eigenen erkennen, weil sein Antrieb auch ihrer ist. Der Krieg hat ihnen eine Unmenschlichkeit aufgezwungen, die sie zutiefst verabscheuen. Erst dadurch, ihn zu beenden ist ihnen die Möglichkeit gegeben, die Menschlichkeit wiederzugewinnen und sie auf uneingeschränkte Weise zu verwirklichen.

Der filmischen Parabel gelingt es mit geradezu bahnbrechend sparsamen Mitteln in Sprache, Bild und Darstellung, ihr grundlegend humanistisches Plädoyer von zivilisationsgeschichtlicher Tragweite überzeugend zu entfalten. Kein Kind, kein Mensch sollte jemals wieder erfahren müssen, was Iwan wiederfahren ist.

Dafür wurden 1945 normative Grundlagen (Grundgesetz, UN-Charta, Völkerrecht) geschaffen. Diese beinhalteten u.a. die vollständige Demilitarisierung Deutschlands und ein unbedingtes Friedensgebot in den internationalen Beziehungen sowie die konsequente Verwirklichung der universellen Menschenrechte und der sozialen, kulturellen und politischen Rechte auf gleiche Teilhabe an der Gestaltung menschenwürdiger Lebensbedingungen im globalen Maßstab. Das ist der Inhalt von„Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“

Diese Lehren sind materiell zu verwirklichen. Nur so kann glaubhaft von einer „Wertegemeinschaft“ gesprochen werden. Die Menschheit hat Heilung mehr als verdient.

Darum: Brot, Frieden, Würde – jetzt! International solidarisch: Schluss mit Austerität.

 

Über die Ruhe

Die leidenschaftlichen Menschen finden in der Ruhe keine Ruhe, sondern nur in der Bewegtheit. […] Wenn sie nicht in einem Wagen fahren können, dann müssen sie ihn wenigstens ziehen, sonst werden sie von ihm geschleift.
Bertolt Brecht, „Me-Ti. Buch der Wendungen“, entstanden im Exil der 1930er Jahre.

Den Flyer findet ihr hier als [pdf] zum Download.

Details

Datum:
Juni 26
Zeit:
21:00 - 23:30
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