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Filmseminar: Coup 53

August 31 @ 21:00 - 23:30

(Doku | Regie: T. Amirani | GB/IRN 2019 | 118 Min. | OmU)


Welche Werte sind eigentlich gemeint, wenn die vielbeschworene „westliche Wertegemeinschaft“ mal wieder aufgerufen ist, im „nicht-wertekonformen“ Ausland Freiheit, Demokratie und Menschenrechte zu verteidigen?

Eine recht klare Antwort geben die Aktivitäten Großbritanniens und der USA im Iran 1953.

Der Iran war nach revolutionären Umwälzungen 1909 zu einer konstitutionellen Monarchie geworden, blieb aber lange Zeit aufgrund zahlreicher, seit Mitte des 19. Jahrhunderts vergebener Konzessionen im Rohstoff- und Bankenwesen wirtschaftlich ein De-Facto-Protektorat Großbritanniens. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs erstarkten zunehmend die fortschrittlich orientierten Kräfte, die sich für eine eigenständig souveräne, soziale und demokratische Entwicklung des Landes einsetzten – verbunden mit der zentralen Forderung, den wesentlichen Reichtumsquell des Iran, die immensen Öl- und Gas-Vorkommen (die viertgrößten bzw. größten der Welt), wieder unter nationale Kontrolle zu bringen.

Infolge dessen wählte im Mai 1951 das iranische Parlament mit Unterstützung der kommunistischen Tudeh-Partei, der sozialreformerischen Nationalen Front und der aufgeklärteren, national gesinnten Geistlichkeit den im Ausland studierten Doktor der Rechtswissenschaften Mossadegh, der als konsequenter Verfechter sozialer Interessen und absolut unbestechlicher Abgeordneter bereits breites Vertrauen erlangt hatte, in überwältigender Mehrheit (99:3 Stimmen) zum Premierminister. Sofort leitete Mossadegh umfassende soziale Reformen im Bildungs-, Steuer- und Grundbesitzwesen ein, die den Einfluss der mit dem Schah und den ausländischen „Investoren“ verbandelten, korrupten Eliten massiv beschnitten und trieb den Verstaatlichungsprozess der Ölfelder von Abadan, die bis dahin der Anglo-Iranian Oil Company (später BP) gehörten, vehement voran – und zwar gegen alle machtpolitischen Winkelzüge der britischen Kolonialisten so erfolgreich, dass er selbst im Rechtsstreit vor den Vereinten Nationen und dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag breite Unterstützung für seine Maßnahmen erhielt.

Die Churchill-Administration schritt daraufhin zur Verteidigung ihrer bedrohten Werte und verhängte nicht nur ein Ölembargo mit militärischer Blockade der iranischen Häfen sondern initiierte mit Unterstützung der US-Administration Eisenhowers, der Geheimdienste Mi6 und CIA, des Schahs, willfähriger Militärs und bezahlter Schläger aus fundamentalistisch-religiösen Kreisen, lokalen Clans und dem Teheraner Lumpenproletariat die „Operation Ajax“. Sie begann mit der Ermordung des verfassungstreuen Polizeichefs von Teheran, General Afshartus, und führte über die gezielte Anzettelung von gewalttätigen Aufständen zur Absetzung, Inhaftierung und außergerichtlichen Verbannung Mossadeghs, zur Installierung eines reaktionären Militärregimes unter Führung des Schah, zur brutalen Verfolgung und Ermordung großer Teile der mit Mossadegh verbündeten, fortschrittlichen Kräfte durch die von den USA ausgebildete Folterpolizei SAVAK sowie zum Verkauf der Ölreserven an ein internationales Konsortium aus Standard Oil (USA), Anglo-Iranian/BP (GB), Shell (NL) und CFP (F) und schuf somit die Grundlagen für die 1979 erfolgte, den Iran bis heute äußerst negativ prägende klerikal-feudalistische „Islamische Revolution“.

Der Film von Taghi Amirani beleuchtet nicht nur die bis heute weitgehend verschwiegenen Zusammenhänge dieses Putsches in beispielgebend akribischer Recherche-, Investigativ- und Aufklärungsarbeit und dokumentiert dabei gleichzeitig das enorme bündnispolitische Engagement zur historischen Wahrheitsfindung, für die unter anderem aktuelle Quellen aus den Archiven der CIA ausgewertet wurden. Er ist darüber hinaus auch ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass das Vermächtnis der fortschrittlichen Umbrüche nach 1945 in aller Welt neu zur Geltung gebracht werden kann, indem Frieden, soziale Progression, demokratische Partizipation und kulturelle Emanzipation für eine menschenwürdige Welt als gemeinschaftliche „Werte“ der Zivilisationsentwicklung von den Vielen verwirklicht werden – gegen jene, die stets nur ihre eigenen „Werte“ im Sinn haben. Sehr lehrreich und hochaktuell.

Insofern: International solidarisch – Schluss mit Austerität!

„Unsre Herrn, wer sie auch seien,
sehen unsre Zwietracht gern,
denn solang sie uns entzweien,
bleiben sie doch unsre Herrn.“

Bertolt Brecht, „Solidaritätslied“, 1931.

Den Flyer findet ihr hier als pdf.

Details

Datum:
August 31
Zeit:
21:00 - 23:30
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