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Filmseminar: Cabaret

Oktober 28 @ 20:00 - 23:30

(Spielfilm | Regie: Bob Foss | USA 1972 | 124 Min. | deu)


Vieles der heutigen Zeit gemahnt in beunruhigender Weise an die gesellschaftlichen Entwicklungen der 1920er Jahre in Deutschland. Das Erstarken extrem reaktionärer Kräfte wird als unaufhaltsam erscheinendes Menetekel an die politisch-mediale Wand gemalt, während ein nicht unbedeutsamer Teil der Mehrheitsgesellschaft den sprichwörtlichen „Tanz auf dem Vulkan“ aufzuführen scheint. Diese dekadenzkritische Charakterisierung trifft jedoch auf die subversive Kunst- und Kulturszene der Weimarer Zeit nur in begrenztem Maße zu. Viel treffender ist sie für die liberale Illusion, dem Faschismus sei beizukommen ohne eine umfassend-emanzipatorische Überwindung der bürgerlichen Verhältnisse insgesamt – politisch, ökonomisch, sozial und kulturell. Mit der Befreiung vom historischen Faschismus ist die Menschheit klüger geworden. Diese Lehren sind allerdings neu zu ziehen und fortwirkend zu realisieren.

Genau dafür bildet die 1972, in der Phase eines weltweiten progressiven Aufbruchs, von Bob Fosse geschaffene Verfilmung des Broadway-Musicals „Cabaret“ (nach einem Roman von Christopher Isherwood) bestmögliche Gelegenheit.

Mit den dramaturgischen Mitteln des Varieté-Theaters erzählt sie die Geschichte des britischen Linguistik-Studenten Brian Roberts, der für seine Dissertation im Jahre 1931 nach Berlin zieht und sich von der draufgängerisch-exaltiert erscheinenden US-amerikanischen Bühnenkünstlerin Sally Bowles in das pulsierend-antikonformistische Nachtleben der Großstadt einführen lässt. Die allen Konventionen spottende Diplomatentochter giert nach dem Aufstieg zu den großen Bühnen und macht sich dafür auf allerlei Weise krumm. Obwohl Brian seine homoerotische Neigung offen expliziert, bandeln die beiden miteinander an und es erwächst eine (Schicksals-)Gemeinschaft, die über vielzahlige bekanntschaftliche Um- und Abwege sowie durch die zunehmend dramatischen Entwicklungen der Zeit hart geprüft, zu einer tiefen Freundschaft reift.

Während ihres Ringens um Leben und Überleben in der zunehmend von Hetze und Gewalt gegen alles „Undeutsche“ geprägten Reichshauptstadt erlebt die rational-mitgerissene Zuschauerschaft nicht nur die Hilflosigkeit einer dissidenten Lebenslust, der es nicht gelingt, sich mit dem politischen Kampf für eine bessere Gesellschaft zu verbinden (und umgekehrt), sondern auch den so erst möglichen Übergang von der (klein-)bürgerlichen Romantik zur faschistischen Massenbewegung.

Wenn auch die filmisch-musikalisch eindrucksvoll erzählte und durch die zwischenspielartigen Bühneneinlagen der Cabaret-Entourage deutend begleitete Geschichte tragisch endet, eröffnet sie auf nachhaltig-bewegende Weise gewichtige Erkenntnisse für das notwendige Gelingen einer emanzipatorischen Wende heute: Romantik und Verdinglichung sind zwei Seiten derselben, ins Verderben führenden Medaille, selbst wenn sie als „freie Liebe“ unkonventionell in Erscheinung treten mögen. Echte Gleichheit als Grundlage jeglicher Sympathie erwächst hingegen aus der radikal-humanistischen, persönlich praktizierten Gegnerschaft zu Ressentiments und herabsetzenden Vorurteilsstrukturen jeglicher Art. Die so entfesselte Lebenslust als qualifizierte Menschenliebe ist das entscheidende Movens für das Gelingen jedweden persönlich-gesellschaftlichen Fortschritts. Demokratische Partizipation, soziale Progression und kulturelle Emanzipation bilden dabei eine untrennbare Einheit.

Das heiter-streitbare, solidarische Lernen ist eine unbändige menschliche Leidenschaft, die geschichtlich Berge versetzen kann.

Lassen wir uns entfachen. Wir haben eine Welt zu gewinnen.

International solidarisch – Schluss mit Austerität!

„Wir sind nach Dingen krank, die wir nicht kennen.
Wir sind sehr jung. Und fiebern noch nach Welt.
Wir leuchten leise. – Doch wir könnten brennen.
Wir suchen immer Wind, der uns zu Flammen schwellt.“
Ernst Wilhelm Lotz, „Hart stoßen sich die Wände in den Straßen…“, 1913.

Den Flyer findet ihr hier auch als [pdf] zum Download. 

Details

  • Datum: Oktober 28
  • Zeit:
    20:00 - 23:30
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