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Filmseminar: Die Abenteuer des Werner Holt

Mai 6 @ 20:00 - 23:30
(Spielfilm | Regie: Joachim Kunert | DDR 1965 | 165 Min. | deu)

 


Der 8. Mai 1945 markiert eine der wichtigsten positiven Zäsuren der jüngeren Menschheitsgeschichte. Mit der Niederringung des deutschen Faschismus und der Beendigung seines Welteroberungsfeldzugs schuf die weltanschauungs- und systemübergreifende, internationale Allianz humanistisch-antifaschistischer Kräfte – zusammengefasst in der Anti-Hitler-Koalition – die Voraussetzungen für eine in Frieden und sozialer Gleichheit geeinten Menschheit. In der Gründungscharta der Vereinten Nationen, dem modernen Völkerrecht, dem deutschen Grundgesetz, der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte u.v.m. wurden normative Maßgaben einer gewaltfreien sozialen, kulturellen, politischen und ökonomischen Entwicklung verankert, die Krieg, Elend, Ausbeutung und Unterdrückung für alle Zeiten unmöglich machen sollten. Heute steht die Verwirklichung dieser Grundsätze umso dringlicher auf der gesellschaftlichen Tagesordnung. Zugleich werden sie jedoch zu pervertieren versucht zugunsten einer profitgetriebenen (Re-)Militarisierung der Gesellschaft, indem z.B. der Wehrdienst wieder als „Abenteuer“ angepriesen wird. In diesem Zusammenhang sind die historischen Erfahrungen und Erkenntnisse, die zur Befreiung führten, mit neuer Tragweite handlungsleitend zu Bewusstsein zu bringen.

Eine herausragende Gelegenheit dazu bietet die 1965 von Joachim Kunert geschaffene Verfilmung des antifaschistischen Antikriegsromans „Die Abenteuer des Werner Holt“.

Er schildert anhand des Werdegangs seines Protagonisten, welche strukturellen, mentalen und soziokulturellen Vergiftungen zu beseitigen sind, damit der Mensch seine Friedensfähigkeit entfalten kann. Der 18-jährige Wehrmachtssoldat Holt ist im April 1945 mit seinem langjährigen Weggefährten Wolzow als Teil eines letzten Aufgebotes zur Verteidigung einer deutschen Kleinstadt gegen die herannahende Sowjetarmee abkommandiert. In aussichtsloser Lage steht er vor der Entscheidung, den Fahneneid, für „Führer und Vaterland“ bis zum letzten Mann zu kämpfen, loyal zu erfüllen, oder sich gegen seinen fanatisierten „Kameraden“ wendend, die Waffen zu strecken und dem Frieden den Weg zu bahnen. In Rückblenden rekapituliert er die Stationen, die ihn an diesen Punkt geführt haben. Ausgehend von der Schulzeit, in der die 16-jährigen sich noch begeistert freiwillig für den Wehrdienst meldeten, wird dabei ein innerer Desillusionierungsprozess ausgeleuchtet, den zahlreiche Akteure in Holts Umfeld katalysieren. Mit ihren widerstreitenden Verarbeitungsweisen des zunehmend grauenvollen Kriegsgeschehens verdeutlichen sie dem naiven Jüngling, dass es eine passive Rolle zwischen Barbarei und Humanität nicht gibt. Die geweckte Anteilnahme am Schicksal Anderer, seien es Mitschüler, Kriegsgefangene, Partisan:innen oder KZ-Insassen, nährt Holts geistige Abspaltung vom anachronistischen Ideal des „edlen Kriegers“. Sie lässt ihn zunehmend erkennen, wer wahrhaft Freund und Feind war bzw. ist und schärft die Sinne für das zu gewinnende bessere Leben. Da die Unterdrückung der Humanität allerdings viel zu lange deformierend wirken konnte, gewinnt die befreiende Entscheidung, sich gegen die Gewalttäter zu wenden, ebenfalls gewaltsame Züge. Sie ist jedoch als Mahnung an die Nachwelt zu begreifen, es nie wieder soweit kommen zu lassen.

Auf diese Weise verdeutlicht die bewegende Filmerzählung nachdrücklich die tatsächliche Aufgabenstellung für das heute zu realisierende „Nie wieder!“: alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens sind auf die zivile, solidarische Entwicklung der menschlichen Weltgemeinschaft zu orientieren. „Einander im Geiste des Friedens zu begegnen“ ist die streitbar zu verwirklichende Maxime in allen gesellschaftlichen Beziehungen. Dafür bedarf es der aufgeklärt-mündigen Persönlichkeiten, die assoziiert-engagiert die Welt nach Maßgabe der Schönheit gestalten.

Ein:e Jede:r ist dabei gefragt. Der 8. Mai ist zum gesetzlichen Feiertag zu machen.

International solidarisch – Schluss mit Austerität!

Gleich Kindern laßt ihr euch betrügen,
Bis ihr zu spät erkennt, o weh! –
Die Wacht am Rhein wird nicht genügen,
Der schlimmste Feind steht an der Spree.

Georg Herwegh, „Der schlimmste Feind“, 1871.

Den Flyer findest du hier als [pdf] zum Download.

Details

  • Datum: Mai 6
  • Zeit:
    20:00 - 23:30
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