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Filmseminar: „Where to invade next?“

Februar 6 @ 20:00 - 23:00

Where to invade next?, USA 2015, Deutsch, 120 min


Invasionspolitik einmal ganz anders: statt die krisenhafte Verfasstheit der Welt- und US-Wirtschaft mit einer weiteren, zynischen Ausweitung des Konkurrenzprinzips nach Innen und vermehrter Aggression nach Außen zu beantworten, plädiert Michael Moore mit seinem satirischen Filmessay „Where to invade next?“ für einen radikalen Kurswechsel: die Verwirklichung der Grund- und Menschenrechte und eine solidarische, wohlfahrtsstaatliche Entwicklungsperspektive für Alle stehen als menschenfreundliche Alternative drängend auf der Tagesordnung. Dafür ist von anderen Ländern und ihren Errungenschaften wie auch aus der Geschichte zu lernen.

Auf seiner internationalistischen Mission erbeutet der vom Pentagon beauftragte Moore die jeweils fortschrittlichsten, sozialen Errungenschaften, die helfen könnten, den Feind im Innern des „Land of the free“ (extreme soziale Ungleichheit, rassistische Repression, skrupellose Geschäftemacherei auf dem Rücken der Ärmsten, Egoismus, Ausbeutung, soziale Ignoranz und Gewalt) zu besiegen.

Aus Italien entführt er umfangreiche Arbeiterrechte wie bezahlten Urlaub, Elternzeit, das 13. Monatsgehalt usw., aus Frankreich das Vier-Gänge-Menü-Schulessen für Kinder der sozial prekärsten Stadtteile und die aufklärerische Sexualkunde, aus Finnland das Bildungswesen, das gerade wegen seiner Nicht-Restriktivität und Entwicklungsorientierung die besten Ergebnisse zeitigt, aus Slowenien die kostenlose Hochschulbildung, aus Deutschland die Mitbestimmungsrechte und Versicherungsleistungen für Arbeitnehmer und die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, aus Portugal die Liberalisierung des Drogenkonsums und die Fortschrittlichkeit der staatlichen Exekutivorgane, denen auch in Praxis die Menschenwürde das höchste aller Güter ist, aus Norwegen den vollständig auf Resozialisierung statt Bestrafung orientierten Strafvollzug, aus Tunesien die hochentwickelten Frauenrechte und die Säkularität der Gesellschaft und aus Island die Gleichstellung der Frauen wie auch die konsequente Verfolgung der finanzindustriellen Krisenprofiteure.

So entsteht die reale Perspektive einer wesentlich menschengemäßeren Gesellschaft, die selbst unter kapitalistischen Bedingungen schon möglich und für die USA ein Fortschritt von revolutionärer Qualität wäre. Aber auch für Europa, das zunächst etwas geschönt gezeichnet erscheinen mag. Denn zum Einen ist in keinem Land der neoliberal deformierten EU die Gesamtheit dieser Errungenschaften tatsächlich realisiert. Zum Anderen wird deren realer Gehalt durch die persönlich-exemplarische Schau erst richtig deutlich: sie sind kein organisationspolitischer Selbstzweck, sondern sind elementar mit der Hebung von menschlicher Würde, Kultur, Hoffnung und Lebensfreude verbunden. Vor allem aber sind sie nie selbstverständlich, sondern stets – auch historisch – immer das Ergebnis fortschrittlicher Kämpfe. So ist der Film auch ein bewegendes Plädoyer für die Einheit von Gewerkschafts-, Arbeiter-, Studierenden- und Frauenbewegung. Er zeigt, wie ein besseres Leben gelingen kann: durch international kämpferische Humanität. In den USA, hierzulande, und überall.

„Wir haben die Lande gemessen, die Naturkräfte gewogen, die Mittel der Industrie berechnet, und siehe, wir haben ausgefunden: daß diese Erde groß genug ist; daß sie jedem hinlänglich Raum bietet, die Hütte seinen Glücks darauf zu bauen; daß die Erde uns alle anständig ernähren kann, wenn wir alle arbeiten und nicht einer auf Kosten des anderen leben will; und daß wir nicht nötig haben, die größere und ärmere Klasse an den Himmel zu verweisen.”

Heinrich Heine, „Die romantische Schule“, Drittes Buch, 1836.

Hier findet ihr den Flyer als pdf

Details

Datum:
Februar 6
Zeit:
20:00 - 23:00

Veranstaltungsort

Anna-Siemsen-Hörsaal
Von-Melle-Park 8
Hamburg, 20146 Deutschland