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Filmseminar: I Am Not Your Negro

Februar 20 @ 20:00 - 23:30

I Am Not Your Negro, USA 2017, Deutsch, 95 min


„Die Geschichte ist nicht die Vergangenheit. Sie ist die Gegenwart. Wir tragen unsere Geschichte in uns. Wir sind unsere Geschichte. Wenn wir etwas Anderes vorgeben, dann sind wir buchstäblich Verbrecher.“
James Baldwin, „I Am Not Your Negro“

In den kapitalistischen USA wird an der Situation der „People of Colour“ schon seit jeher die Klassenlage der Unterdrückten insgesamt deutlich. Im 18. Jahrhundert noch als gnadenlos ausbeutbare Arbeitskraft (Sklaverei) für die Schaffung des Wohlstands (ursprüngliche Akkumulation) millionenfach ins Land verbracht, wurden ihre Befreiungsbestrebungen schnell zum Problem für die herrschende Klasse. Diese wäre die „Negroes“ am liebsten sofort wieder losgeworden, spätestens seit dem Aufstieg der USA zur Weltmacht im 19. Jahrhundert. Der Rassismus als Form des „Teile-und-Herrsche“, mit dem die Beherrschten gegeneinander ausgespielt werden und so die Herrschaft aufrechterhalten werden soll (wesentliches Prinzip auch der Austeritätspolitik) ist tief verwurzelt in der US-Gesellschaft. Mit der aktuellen Systemkrise 2008ff. ist er neu entflammt. Während die reichsten 0,1% so viel Vermögen besitzen wie die unteren 90% der Bevölkerung, sind 38 Millionen Menschen auf Essensmarken angewiesen. Millionenfache Zwangsarbeit in US-Gefängnissen und rassistische (Polizei-)Gewalt sind strukturell unmenschliche Realität. Wegen (bereits absolvierten) Haftstrafen durften 6 Millionen Menschen – die meisten davon schwarz – nicht an der Präsidentschaftswahl 2016 teilnehmen.

Gegen diese Zustände opponiert der haitianische Filmemacher Raoul Peck mit seinem Dokumentarfilm „I Am Not Your Negro“. Darin lässt er den afro-amerikanischen Schriftsteller James Baldwin in Form eines unveröffentlichten Manuskripts die Frage nach der Verwobenheit von weißer und schwarzer US-Geschichte und der notwendigen Überwindung „des Negers“ in den Köpfen aufwerfen. Anhand der Biographien seiner Mitstreiter Medgar Evers (ermordet 1963), Malcolm X (ermordet 1965) und Martin Luther King (ermordet 1968) bringt Baldwin (1924–1987) den Befreiungskampf der US-Bürgerrechtsbewegung zu neuem Leben. Er streitet mit gerechtem Zorn, tief überzeugtem Humanismus und aufklärerischer Leidenschaft für die Realisierung sozialer Gleichheit, einer menschenwürdigen Gesellschaft und einer solidarischen Zukunft. Der mörderischen Gewalt, mit der dieses Streben auch seiner Mitstreiter ausgelöscht werden sollte, setzt er einen geschichtsbewussten Optimismus entgegen und attestiert ihr, sie enthülle ihrem Opfer nicht die Stärke, sondern die Panik des Gegners.

Der mitreißende Film-Essay aus Interviewszenen mit James Baldwin, einem historischen Blick auf die Rolle der Schwarzen im US-Film, Kritik der medial propagierten Konsumwelt und aktuellen Bildern u.a. von „Black Lives Matter“ ist beispielgebend lehrreich für heute: Egalität ist elementar. Solange auch nur eine Gruppe als minderwertig angesehen wird, gibt es keine gesellschaftliche Befreiung. Frieden, Menschenwürde, soziale Progression und kulturelle Emanzipation bilden eine untrennbare Einheit. Es geht um den ganzen Menschen. „Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun.“

„Never forget that freedom is not something that is voluntarily given by the oppressor. It is something that must be demanded by the oppressed […] If we are going to get equality, if we are going to get adequate wages, we are going to have to struggle for it. Now you know what? You may have to escalate the struggle a bit […] in a few days you ought to get together and just have a general work stoppage in the city of Memphis.“

Martin Luther King Jr., „All Labor Has Dignity“, 18.3.1968.

Hier findet ihr den Flyer als pdf

Details

Datum:
Februar 20
Zeit:
20:00 - 23:30

Veranstaltungsort

Anna-Siemsen-Hörsaal
Von-Melle-Park 8
Hamburg, 20146 Deutschland