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SUMMARY:Filmseminar: Jakob der Lügner
DESCRIPTION:(Spielfilm | Regie:  Frank Beyer |  DDR 1974 | 100 Min. | deu) \n\n\nAm 8. Mai vor 79 Jahren erzwang die Anti-Hitler-Koalition (Sowjetunion\, USA\, Großbritannien) die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht und beendete damit das mörderische Terrorregime des deutschen Faschismus. Mehr als 65 Millionen Menschen\, darunter 27 Millionen Sowjetbürger:innen sowie mehr als 6 Millionen Jüdinnen und Juden fielen dem systematischen Vernichtungswillen des deutschen Großkapitals und seiner willfährigen politischen Handlanger zum Opfer. Die Befreiung war ein historischer Triumph der Humanität über die Barbarei. Sie gelang\, weil sich überall auf dem Globus Menschen erhoben\, um eine in Frieden geeinte Welt zu schaffen\, die frei von Ausbeutung und Unterdrückung Allen gleichermaßen ein Leben in Würde und solidarischer Wohlentwicklung ermöglicht. Heute\, da diese Geschichte im Namen von „Freiheit“\, „Demokratie“ und einer abstrusen „Staatsräson“ umgeschrieben werden soll\, um die Unterstützung zahlloser Kriegsverbrechen der israelischen Regierung und eine ungehemmte Remilitarisierung der deutschen Gesellschaft zu rechtfertigen\, steht die tatsächliche Verwirklichung der mit der Befreiung verbundenen Hoffnungen umso dringlicher auf der globalen Tagesordnung. \nInsofern ist auch neu zu beantworten\, welche Lehren aus der deutschen Geschichte zu ziehen sind. \nDer zutiefst antifaschistische Film „Jakob der Lügner“ leistet dazu einen gewichtigen Beitrag. 1974 in der DDR nach dem gleichnamigen Roman von Jurek Becker entstanden\, der 8-jährig das Ghetto von Lodz sowie die KZ Ravensbrück und Sachsenhausen überlebte\, verhandelt er die Frage\, wie Menschlichkeit im Angesicht tiefster Inhumanität\, wie Widerstand in einer scheinbar aussichtslosen Lage realisiert werden können. \nDie an reale Geschehnisse angelehnte\, fiktive Erzählung spielt in einem jüdischen Ghetto im faschistisch besetzten Polen des Jahres 1944. Der zu schweren Verladearbeiten am Güterbahnhof eingesetzte ehemalige Restaurantbetreiber Jakob erfährt durch glücklichen Zufall aus dem Radio der deutschen Revierswache\, dass die Rote Armee bereits bis wenige Kilometer vor die nicht allzu weit entfernt liegende Stadt Bezanika herangerückt sei. Als am nächsten Tag der vor Hunger verzweifelte Mischa sich auf einen Kartoffeltransport der Nazis stürzen will\, erzählt Jakob ihm die Nachricht\, um ihn von der selbstmörderischen Tat abzuhalten. Da er Mischa die wahre Begebenheit im Revier nicht glaubhaft machen kann\, erfindet Jakob\, selbst über ein geheimes Radio zu verfügen. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer unter den Ghetto-Bewohner:innen\, die angesichts der allgegenwärtigen\, endlos erscheinenden Qual der tagtäglichen Entmenschlichung nach jedem noch so kleinen Hoffnungsschimmer gieren. Die bohrenden Nachfragen und der Mangel an echten Informationen lassen ihn immer neue Nachrichten und Geschichten erfinden\, auch weil Jakob sieht\, wie die Aussicht der nahenden Befreiung die Lebensgeister der schon aufgegeben Habenden in völlig ungeahnter Weise neu weckt. Seit er seine Geschichten erzählt\, ist die Selbstmordrate im Ghetto auf Null gesunken. Dass er es daher nicht übers Herz bringt\, ihnen die Wahrheit über das Radio zu sagen\, facht jedoch nicht nur Jakobs Erfindungsgeist und Wagemut an\, sondern lässt auch unweigerlich seine Verzweiflung ins Unermessliche wachsen\, da er sich mit jeder Deportation zunehmend dem Umstand stellen muss\, dass seine Erfindungen eine reell begründete Zuversicht nicht ersetzen können. \nWie kann also diese Zuversicht in solcher Lage gebildet werden? \nDer künstlerische Kniff des spannungsreich und ergreifend gestalteten Films besteht gerade darin\, dass er dem rational-anteilnehmenden Zuschauer die möglichen Antworten in so augenscheinlicher Weise vorenthält\, dass dieser kaum anders kann\, als sie selbst zu entwickeln. Was streitbar ergründenswert bleibt\, ist die Erkenntnis\, dass eine humane Perspektive ohne Widerstand gegen die Barbarei ebenso undenkbar ist wie dieser Widerstand ohne eine humane Perspektive. \n„Nie wieder!“ kann heute nur bedeuten\, gemeinschaftlich für menschenwürdige Lebensbedingungen weltweit\, für konsequent zivile Konfliktregulierung und die nachhaltige Beseitigung aller militärischen Gewaltmittel\, für die gleiche\, universelle Verwirklichung der unteilbaren Menschenrechte und eine solidarische Zivilisationsentwicklung zu kämpfen. \nDafür sollte der 8. Mai auch hierzulande endlich gesetzlicher Feiertag werden. \nBrot\, Frieden\, Würde – jetzt! International solidarisch: Schluss mit Austerität. \n „Eine Unze Verstand\, sagte Me-Ti\, und der Mensch wird unverläßlich wie Flugsand. Zwei Unzen Verstand\, und er wird verläßlich wie ein Fels.“\nBertolt Brecht\, „Me-Ti. Buch der Wendungen“\, entstanden im Exil der 1930er-Jahre. \nDen Flyer findet ihr hier als [pdf] zum download.
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SUMMARY:Filmseminar: Laissez-Faire
DESCRIPTION:(Doku | Regie: Ruggero Arenella | IT 2015 | 80 Min. | OmU) \nDas nächste Kino gegen Austerität findet wiederals Freiluftkino auf dem Campus Von-Melle-Park statt. Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Susanna Böhme-Kuby wird die Einführung in den Spielfilm „Laissez-Faire“ von Ruggero Arenella aus dem Jahr 2015 geben und im Anschluss mit uns diskutieren. \nBei schlechtem Wetter bauen wir unser Kino unter dem Dach neben dem Rechtshaus auf (Schlüterstraße 28). \nAb dem 29.05. voraussichtlich wieder als Freiluftkino\, \nBeginn um 21 Uhr\, am Philturm auf dem Uni-Campus (Von-Melle-Park).\nBei schlechtem Wetter in Hörsaal D\, im Philturm (VMP 6)\, oder am Rechtshaus (Schlüterstraße 28). \n\n\nDie Europäische Union aufzulösen wäre gewiss keine adäquate Antwort auf die Probleme unserer Zeit. Sie jedoch per se zum Inbegriff von Frieden\, Wohlstand und Demokratie zu erklären\, geht an der Wahrheit mindestens ebenso weit vorbei. Am ehesten trifft wohl die Kennzeichnung zu\, die EU verkörpere die institutionalisierte „Idee der Freiheit“. Um diese „Idee“\, die nach Meinung von (Rüstungs-)Industrie\, Medien und offizieller Politik neuerdings auch hierzulande wieder mit der Waffe in der Hand verteidigt werden solle\, ist es allerdings nicht gerade zum Besten bestellt. Sie hat sich allerspätestens im Laufe ihres mittlerweile 40 Jahre währenden\, globalen „Siegeszuges“ in Form des Neoliberalismus gründlich selbst kompromittiert. Die profitgetriebene Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen\, unkontrollierte Pandemien\, millionenfach Elend\, Hunger und Unterentwicklung in den Ländern des globalen Südens\, explodierende soziale Ungleichheit in den Metropolen\, das Schüren kriegerischer Konflikte und die Aushöhlung von Völkerrecht und zivilen\, internationalen Institutionen\, der Abbau sozialer Rechte und Errungenschaften\, die Privatisierung öffentlichen Eigentums und der sozialen Daseinsvorsorge\, wachsende Prekarität\, Vereinzelung und Perspektivlosigkeit sowie die Begünstigung des Aufstiegs der extremen Rechten – all dies gehört wohl zur wenig ruhmreichen Bilanz der freiheitlichen Marktgesellschaften nach 1990. \nDer Film-Essay „Laissez-Faire“ des italienischen Regisseurs Ruggero Arenella zieht eine solche Bilanz. Entstanden 2015 unter dem Eindruck der katastrophalen Folgen der bis heute fortgeführten EU-Austeritätspolitik als Beantwortung der globalen Finanzkrise 2008\, veranschaulicht er zugleich\, wie der einst revolutionäre bürgerliche Liberalismus im Laufe des 20. Jahrhunderts zur totalitären Freiheitsdoktrin des Neoliberalismus pervertiert werden konnte\, gegen welche sozialkritisch-egalitären Bestrebungen einer solidarischen Gesellschaft er sich dabei richtete und mit welchen ideologischen und machtpolitischen Mitteln er ab Beginn der 1980er-Jahre vorläufig durchgesetzt werden konnte. \nIm Zentrum der Reflexionen\, die von zahlreichem historischen Bildquellenmaterial sowie durch Einordnungen bewanderter Politiker:innen\, Ökonom:innen\, Historiker:innen\, Politikwissenschaftler:innen und Aktivist:innen untersetzt werden\, steht dabei die These\, dass es den neoliberalen Vordenkern gelang\, mit allgemeinen Begrifflichkeiten wie „Freiheit“\, „Eigenverantwortung“\, „Flexibilität“ oder „Modernisierung“ die Suggestion zu erzeugen\, eine deregulierte Gesellschaft (zur ungezügelten Kapitalakkumulation) sei tatsächlich zum Vorteil Aller. Dabei konnte sich eine Mitte der 1970er Jahre beginnende Stagnation der durch intensive Kämpfe der Arbeiterbewegung errungenen\, auf keynesianische Umverteilungspolitik von Oben nach Unten orientierten Sozialstaatsmodelle in Westeuropa und den USA zunutze gemacht werden. \nDennoch bedurfte es massiver kapitalgestützter Einflussnahme zutiefst antidemokratischen Charakters (bis hin zur gewaltsamen Errichtung einer Militärdiktatur wie in Chile 1973)\, um die rückwärtsgewandte Ideologie der Freiheit als „Allheilsbringerin“ gesellschaftlich durchzusetzen. \nHeute\, da das Scheitern dieses auf Ausbeutung\, Konkurrenz und Ungleichheit beruhenden Gesellschaftsmodells umfänglich zu konstatieren ist\, gewinnt zweifelsohne die Frage nach Alternativen neu an Bedeutung. \nDer Film beantwortet diese Frage nicht. Aber mit Verweisen auf progressive historische Errungenschaften\, angefangen bei der Oktoberrevolution in Russland über den New Deal in den USA\, den Versuch des demokratischen Sozialismus in Chile bis hin zu den antikolonialen Befreiungsbewegungen Afrikas sind eindrucksvolle Spuren dafür gelegt\, was aus der Geschichte zu lernen ist für die gegenwärtige\, kollektive\, demokratisch-planvolle und bewusste Gestaltung menschenwürdiger Lebensbedingungen. \nDafür bedarf es zunehmend des beherzten\, humanistisch-assoziierten Engagements der Vielen. \nFreiheit macht nur Sinn\, wenn Frieden\, Solidarität und soziale Gleichheit ihre positive Zweckbestimmung bilden. Das gilt nicht zuletzt auch für die Europäische Union. \nDarum: Brot\, Frieden\, Würde – jetzt! International solidarisch: Schluss mit Austerität.  \n„Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit\, die unterdrückt\, und das Gesetz\, das befreit.“\nJean Baptiste Henri Lacordaire\, „Conférences de Notre-Dame de Paris“\, 1848-1850. \nDen Flyer findet ihr hier als [pdf] zum Download. 
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