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SUMMARY:Filmseminar: Salt of the Earth
DESCRIPTION:(Spielfilm | Regie:  H. J. Biberman | USA 1954 | 94 Min. | OmU)\n\n\n\n\n\n\nDie Filmvorführung beginnt mit einer Einführung durch den US-Kollegen Cyn Huang\, Mitglied der US-Gewerkschaft United Auto Workers und der Studierenden-Sektion der Democratic Socialists of America und Elsa Rassbach\, langjährige Gewerkschafts- und Friedensaktivistin\, Journalistin und Filme-Macherin in USA und BRD. \n\nWenn in Krisenzeiten lautstark der „gesellschaftliche Zusammenhalt“ gepredigt wird\, dann ist begründete Skepsis mehr als angebracht. Mit der vorgegaukelten Perspektive des gleichberechtigten Aufgehens in einem größeren „Wir“ – ob nun Familie\, Nation oder der  noch so toleranten „Wertegemeinschaft“ – werden spezifische Benachteiligungen nicht überwunden\, sondern verschärft. Die menschliche Würde als allseitiger Maßstab tatsächlicher Gleichheit lässt sich hingegen nur verwirklichen\, indem Ausbeutung\, Konkurrenz und Entfremdung als strukturelle Ursachen der sozialen Ungleichheit bekämpft und überwunden werden. In dieser von allen Nicht-Milliardär:innen tendenziell gemeinsam zu bestreitenden\, gesellschaftlichen Auseinandersetzung wird auch die Überwindung allseits schädlicher Vorurteilsstrukturen\, diskriminierender Rollenzuschreibungen und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit erst möglich. \nEntsprechende Erfahrungen hat die organisierte Arbeiter:innenbewegung gerade im 20. Jahrhundert zu Hauf gesammelt. Der 1954 in den USA der McCarthy-Ära gedrehte\, durch die kriminalisierte Gewerkschaft der Minenarbeiter:innen (IUMMSW) selbstfinanzierte Film „Salt of the Earth“ legt davon in hochaktueller und beeindruckender Weise Zeugnis ab. \nErzählt nach wahren Begebenheiten schildert er den emanzipatorischen Kampf mexikanisch-stämmiger Bergarbeiterfamilien in den Zinkminen New Mexicos. Weil ihnen von der mächtigen Bergbaufirma\, im Unterschied zu ihren angloamerikanischen Kollegen\, elementarste Rechte vorenthalten werden und es so immer wieder zu tödlichen Unfällen kommt\, treten sie in einen unbefristeten\, wilden Streik. Dabei bekommen sie es nicht nur mit dem zur Spaltung der Arbeiterschaft forcierten Rassismus der Konzernleitung\, mit aufgehetzten\, bezahlten Streikbrechern und willkürlichen Übergriffen der Staatsgewalt zu tun\, sondern auch mit der wachsenden Unzufriedenheit ihrer Frauen. Diese leiden unter den prekären\, entwürdigenden Lebensbedingungen\, aber auch unter der herablassenden Ignoranz der Männer für ihre spezifische Lage. Obwohl tief besorgt um den möglichen Verlust ihrer Existenzgrundlage unterstützen die Frauen die Streikenden mit Verpflegung und gründen ein Hilfskomitee. Ihre Forderung\, den Streik nicht nur auf die Arbeitssicherheit\, sondern auch auf die Verbesserung der Hygiene und der Grundversorgung in den Arbeitersiedlungen zu richten\, trifft bei der Streikversammlung zunächst auf Unverständnis und Gelächter. Dieses Verhältnis\, exemplarisch gezeigt an der Beziehung zwischen dem lokalen Streikführer Ramón und seiner Frau Esperanza\, beginnt sich mit fortwährender Streikdauer zu wandeln. Angesichts der wachsenden Repressionen tritt immer deutlicher zu Tage\, dass der Kampf nur gewonnen werden kann\, wenn es um die Verwirklichung allseitiger Gleichheit geht. Schließlich sind es gar die Frauen\, die\, um den Streik gegen die gesetzliche Kriminalisierung aufrecht zu erhalten\, die Streikposten übernehmen und dem Polizeiapparat trotzen müssen\, während die Männer den Haushalt versorgen. Mit der streitbar errungenen Erkenntnis der Gleichheit im gemeinsamen Kampf für menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen entwickeln die Streikenden ein solidarisches Selbstbewusstsein\, das weit über den unmittelbaren Arbeitskampf hinauswirkt und die Konzernleitung trotz all ihrer perfiden Machenschaften letztlich zur Kapitulation zwingt. \nIn diesem Sinne ist der Film ein historisch-bahnbrechendes Plädoyer für die kämpferisch-humanistische Einheit von demokratischer Partizipation\, sozialer Progression und kultureller Emanzipation. Das gilt jedoch nicht nur für seinen künstlerischen Gehalt\, sondern auch für seine Entstehung. Die Darsteller:innen sind beinahe ausnahmslos tatsächlich am großen Streik von 1950 beteiligte Minenarbeiter:innen. Das Filmteam stand zum größten Teil als Angehörige oder Sympathisanten der Kommunistischen Partei der USA auf der „schwarzen Liste“ der Verfolgten des „Komitees für unamerikanische Umtriebe“. Vielzahlige Sabotageversuche\, u.a. die während des Drehs vollstreckte Abschiebung der Hauptdarstellerin nach Mexiko\, wurden solidarisch überwunden. \nSo lässt sich sehen und konsequenzenreich bedenken: Aufklärung und Emanzipation ist eine notwendige\, überzeugende und menschlich-befreiende Angelegenheit. Das globale „Wir“ umfasst 99 Prozent. \nJede:r ist dabei gefragt.Brot\, Frieden\, Würde – jetzt! International solidarisch: Schluss mit Austerität.  \n\n\n\n„Die einen haben nichts zu essen und machen sich darüber Gedanken\, das kann zur Erkenntnis ihrer Lage führen: und das ist dann Marxismus; die andern haben zu essen und machen sich keine Gedanken darüber: und das ist dann die offizielle Religion. So verschieden ist es im menschlichen Leben!“ Kurt Tucholsky\, „So verschieden ist es im menschlichen Leben!“\, 1931. \nDen Flyer findet ihr hier auch als [pdf] zum Download. \nSowie in English als [pdf] zum download. 
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SUMMARY:Filmseminar: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui
DESCRIPTION:(Theateraufnahme | M. Wekwerth/P. Palitzsch | DDR 1974 | 145 Min. | deu)\n\n\n\n\n\nWer begreift\, kann verändern: das Erstarken der extremen Rechten ist keine unabwendbare Naturgewalt. Ihre Protagonist:innen sind keine ehrfurchtgebietenden Persönlichkeiten. Es sind gewöhnliche Verbrecher\, die allerdings mit ihrer völkisch-nationalen\, sozialdarwinistischen Anti-Humanität in Krisenzeiten bestimmten gesellschaftlichen Kreisen sehr nützlich werden können – namentlich denjenigen Wenigen\, die von der strukturellen Ausbeutung der Vielen profitieren und diesen „Vorteil“ mit allen Mitteln zu verteidigen gewillt sind gegen jene gesellschaftlichen Tendenzen und Kräfte\, die zur nachhaltigen Überwindung der sozialen Ungleichheit drängen. \nAuch der historische Faschismus (1933-45) hatte einflussreiche Nutznießer\, duldsame Ermöglicher\, willfährige Wegbereiter wie auch organisierte Gegenkräfte und gesellschaftspolitische Alternativen und hätte insofern verhindert werden können. \nDas für ein heutiges „Nie wieder!“ wegweisende Verdienst des 1941 von Bertolt Brecht im finnischen Exil verfassten\, parabelhaften Theaterstücks „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ besteht just in der kunstvoll-erkenntnisreich gestalteten Entschleierung jener vermeidbaren Ursachen der Barbarei und ihres herrschaftsservilen Wesenskerns. \nÜbertragen in das Gangstermilieu Chicagos der 1920er Jahre werden die historischen Ereignisse\, die zur Machtübertragung an Hitler und zum Zweiten Weltkrieg geführt haben\, dem kritischen Urteil des Publikums zugänglich gemacht. \nAufgrund einer ökonomischen Krise leidet der mächtige Chicagoer Karfioltrust unter Umsatzeinbußen und kann seinen Blumenkohl bei der lokalen Bevölkerung nicht mehr absetzen. Um staatliche Gelder zu erhalten\, wird der ehrwürdig-bekannte Stadtrat Dogsborough („Hindenburg“) mit der Schenkung eines Landhauses und dem Verkauf einer Reederei in die Dienste des Trusts eingebunden. Dieser revanchiert sich mit Krediten\, die als Förderung für den Bau von Kaianlagen getarnt werden. Als der Betrug öffentlich ruchbar zu werden droht\, sieht der Anführer einer Kleingangsterbande Arturo Ui („Hitler“) seine Stunde gekommen. Der bieder-besessene Emporkömmling\, dem nichts über die Anerkennung des Trusts geht\, lässt mithilfe seiner Schlägertrupps Belastungszeugen verschwinden und macht sich durch Erpressung Dogsboroughs („Osthilfeskandal“) zusätzlich unentbehrlich für die Mächtigen. Um Eindruck bei den Massen zu schinden und seinen reaktionär-devoten Habitus zu verschleiern\, hat er Schauspielunterricht genommen. Als dennoch einige Kleinhändler seinen brutalen Methoden widerstehen\, lässt er in den Kaispeichern einen Brand legen und nutzt die öffentliche Empörung\, um mittels Justiz und Polizei die politischen Gegner des Trusts zu beseitigen („Reichstagsbrandprozess“). Die nun einsetzenden internen Machtkämpfe zwischen dem Leutnant seiner Schlägertrupps\, Ernesto Roma („Röhm“)\, und den mit den Interessen des Trusts eng verbandelten Blumenhändlern Giri („Göring“) und Givola („Goebbels“) entscheidet er zugunsten Letzter und somit zugunsten der ungezügelten ökonomischen Expansion. Diese nimmt\, eingeleitet durch die Ermordung des Zeitungsverlegers Dullfeet („Dollfuß“)\, mit der Übernahme des Grünzeughandels in der Vorstadt Cicero („Österreich“) ihren blutigen Anfang. Das grausame Ende ist hinlänglich bekannt. \nMittels kritisch-deutender Darstellung\, unterstützt durch die kongeniale Inszenierung des Berliner Ensembles\, gelingt dem Brechtschen Theater hier eine unvergleichliche Aufklärungswirkung. Auf jeder Stufe des historischen Negativ-Prozesses werden die Möglichkeiten des verändernden Eingreifens für das Publikum identifizierbar. Mit entmystifizierendem Witz und satirischer Offenlegung der sozialen und politischen Wirkungszusammenhänge werden die Akteure der Rohheit in ihrer subjektiven Nichtigkeit durchschaubar gemacht und dem Gelächter anheimgestellt. Ihre objektiv brutale Funktion kann folglich umso bewusster und souveräner bekämpft werden. Das aktive Engagement für die Einheit von Freiheit\, Gleichheit\, Solidarität im globalen Maßstab und eine friedvolle\, allseitig humane Zivilisationsentwicklung gewinnt so an Aussicht\, Substanz und perspektivbildender Wirksamkeit. \nWir können befreiend lernen\, begreifend widerstehen\, bessernd gestalten. So sollte Theater sein. So kann eine menschliche Gesellschaft werden. \nBrot\, Frieden\, Würde – jetzt! International solidarisch: Schluss mit Austerität. \n„Die großen politischen Verbrecher müssen durchaus preisgegeben werden\, und vorzüglich der Lächerlichkeit. Denn sie sind vor allem keine großen politischen Verbrecher\, sondern die Verüber großer politischer Verbrechen\, was etwas ganz anderes ist.“\nBertolt Brecht\, „Anmerkungen zu: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“\, 1955. \nDen Flyer findet ihr hier auch als pdf.
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