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SUMMARY:Je veux du soleil/Auch ich will Sonne
DESCRIPTION:(Doku | Regie: F. Ruffin/G. Peret | FR 2019 | 76 Min. | OmU) \n\nEin Film von Gilles Perret und François Ruffin (2019) \nEin Film wie Musik in den Ohren: „J’veux du soleil – Ich will Sonne“\, Ende 2018/Anfang 2019 gedreht\, zeichnet mit einer Reihe von Interviews und Schilderungen ein plastisches Bild unserer Zeit. Auf den Straßen Frankreichs formiert sich mit den „Gelbwesten“eine neue soziale Bewegung\, die die Grundfesten der etablierten neoliberalen Politik bis ins Mark erschüttert. Es ist das „Frankreich der kleinen Leute“\, derjenigen\, die nur ihre Arbeitskraft besitzen\, die nicht mehr mitmachen wollen und sich aufzulehnen beginnen: Erwerbslose\, Lohnabhängige\, prekär Beschäftigte\, Saisonarbeiter\, Kleinunternehmer oder Handwerker mit geringen Einkommen. Auch viele Rentner und Rentnerinnen haben eine gelbe Weste angezogen. Seit 2014 erlitten sie wiederholt Kürzungen ihrer Bezüge – die meisten müssen mit unter 1.000 Euro monatlich auskommen – oder erlebten\, wie es ihren Kindern und Enkelkindern immer schlechter geht. \nEs ist jedoch keine Opfermentalität\, die sie antreibt\, sondern Wut\, Verzweiflung und Abscheu gegenüber der systematischen Täuschung und Demütigung durch eine sozial völlig ignorante Politik\, aber auch neu entdecktes Selbstbewusstsein und wachsender Spott gegenüber Regierung\, Superreichen und den ihnen ergebenen Medien. „Nachdem er uns beleidigt und uns wie Dreck behandelt hat\, präsentiert Macron uns nun als eine faschistoide und fremdenfeindliche Menge mit Hassgefühlen. Aber wir sind genau das Gegenteil: wir sind weder rassistisch\, sexistisch noch homophob. Wir sind stolz darauf\, trotz und mit all unseren Unterschieden untereinander zusammengekommen zu sein\, um eine Gesellschaft der Solidarität aufzubauen.“ (Commercy-Aufruf der „Gelbwesten“ im Januar 2019) \nDer Anlass der Proteste war eine geplante Erhöhung der Kraftstoffsteuer. Bald aber schälten sich weiterreichende soziale Forderungen der „Gilets Jaunes“ in vier wesentlichen Feldern heraus\, die auch in den Beschlüssen der bisher 3 „Versammlungen der Versammlungen“ wiederzufinden sind: \n\nsoziale und Steuergerechtigkeit\nAusbau der öffentlichen Dienste\nAntworten auf die Umwelt- und Klimakatastrophe \neine substantielle Veränderung des politischen Systems.\n\nHinzu kommt die Zurückweisung der massiven polizeilichen und juristischen Repression. \nSolche Forderungen sind in Frankreich nicht neu – gegen neoliberale Reformprogramme gab es in den letzten Jahren immer wieder starke Widerstände. Die Gelbwesten jedoch stellen eine neue Qualität sozialer Bewegung dar. Sie entstanden überraschend für alle anderen politischen Kräfte und unterscheiden sich teilweise in ihren Aktionsformen und internen Strukturen von klassischen Protestbewegungen. Sie enttabuisieren die sozialen\, politischen und kulturellen Entwürdigungen und brechen damit bewusst auch mit dem neoliberalen Kern-Dogma der „Schuld des Einzelnen“. So erwächst persönlich und kollektiv aus resignativem Unmut eine tiefgreifende Umwälzung der Alltagskultur: die organisierte politische Gegenwehr wird zum dauerhaft perspektivbildenden\, erfreulichen Lebensinhalt. \nAuf diese Weise entsteht eine unaufhaltsame Bewegung\, mit deren Zielen die Mehrheit der Bevölkerung trotz aller Bekämpfung in zunehmendem Maße sympathisiert. \nDas Leben wird heller\, aussichtsreicher und beschwingt. Ein lehrreiches Beispiel. \n„Man muß jede Sphäre der deutschen Gesellschaft als die partie honteuse [den Schandfleck] der deutschen Gesellschaft schildern\, man muß diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen\, daß man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!“ Karl Marx\, „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung“\, MEW Bd.1\, 1844. \n______________ \nDie Filmvorführung findet in der Zeit zwischen der 4. Versammlung der Versammlungen der Gilets Jaunes in Montpellier (1. bis 3. November) und den geplanten Aktionstagen am 16./17. November (Jahrestag des Beginns der Gelbwesten-Bewegung) statt. \nAuf die Weiterentwicklung kann in der Diskussion nach dem Film eingegangen werden. Marie-Dominique Vernhes\, die mehrere Vorträge und Aufsätze über die Gilets Jaunes verfasst hat\, wird anwesend sein und referieren. \nHier findest du den Flyer auch als pdf.
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SUMMARY:Herr Puntila und sein Knecht Matti
DESCRIPTION:(Theater-Aufnahme | Regie: P. Kupke | DDR 1979 | 145 Min. | deu) \n\n„Herr Puntila und sein Knecht Matti“ \nEin Stück von Bertolt Brecht\, Theater-Aufnahme des DDR-Fernsehens im Berliner Ensemble\, Regie: Peter Kupke (1979) \n„Das Volksstück“\, bemerkt Bertolt Brecht 1940 in seinen „Schriften zum Theater“\, „ist für gewöhnlich krudes und anspruchsloses Theater\, und die gelehrte Ästhetik schweigt es tot oder behandelt es herablassend. Im letzteren Fall wünscht sie es sich nicht anders\, als es ist\, so wie gewisse Regimes sich ihr Volk wünschen: krud und anspruchslos.“ \nDas Ziel\, das der vor Faschismus und Weltkrieg ins finnische Exil geflohene Brecht mit dem zur selben Zeit verfassten Komödienstück über das Verhältnis von Herr und Knecht verfolgt\, ist die Schaffung einer neuen\, revolutionären Form eines gleichsam wirklichkeitsnahen wie poetischen\, eines ebenso unterhaltsamen wie aufklärerischen Theaters für die breite Masse\, die sich zu bilden und ihre Ansprüche zu kultivieren wissen muss\, um sich von der Ausbeutung befreien zu können. \nDie Bühne ist ihm das ideale Mittel dieser Umwälzung: „Die Kunst vermag das Häßliche des Häßlichen in schöner Weise\, das Unedle des Unedlen in edler Weise darzustellen\, denn die Künstler können ja auch das Ungraziöse in graziöser\, das Schwache in kraftvoller Weise darstellen. Die Gegenstände der Komödie\, die das >gemeine Leben< schildert\, entziehen sich durchaus nicht der Veredelung. Das Theater hat die delikate Farbe\, die angenehme und bedeutende Gruppierung\, die originelle Gestik\, kurz den Stil zur Verfügung\, es hat Humor\, Phantasie und Weisheit\, um das Häßliche zu meistern.“ \n1948 wird „Puntila und Matti“ in Zürich uraufgeführt und schließlich in Ost und West zum großen Publikumserfolg. In der gerade gegründeten DDR\, dem Land mit der später höchsten Theaterdichte weltweit\, wo Brecht ab 1949 mit dem Berliner Ensemble eine eigene Spielstätte erhält\, wird es zum meistgespielten Theaterstück überhaupt. \nDie Handlung des Stücks\, die immer wieder durch die Moritaten der Köchin des Puntila-Hofes kommentiert wird\, ist in das Finnland einer früheren Zeit verlagert. Der Gutsbesitzer Puntila stellt den Typus des klassischen Ausbeuters dar\, dessen Funktion er jedoch nur in nüchternem Zustand voll ausübt. Wenn er betrunken ist\, was der Normalfall bei ihm ist\, hat er vertrauenserweckende\, geradezu allzu menschliche Züge\, ist großzügig gegenüber seinem Personal und sieht sich gar als Kommunist. Matti\, sein Chauffeur\, erträgt seine Launen und spielt mit\, wenngleich er ihn durchschaut. Puntila will Matti sogar mit seiner eigenwilligen Tochter verheiraten\, die Matti ebenfalls viel lieber mag als ihren Verlobten\, den adligen und hochverschuldeten Attaché. Als Puntila ihm in trunkenster Rührseligkeit auch noch die Hälfte seiner Wälder schenken will\, verlässt Matti schließlich den Hof\, wissend\, was ihm bei der nächsten Nüchternheit droht. \nUnd die Moral von der Geschicht‘? Der Herr bleibt Herr\, ob gut ob schlecht\, nur durch das Zutun des Herrn Knecht. Doch bleibt der Knecht ein Knecht dann nicht\, wenn er durchschaut die ganze Schmiere schlicht. \n„Man kann über ernste Dinge heiter und ernst sprechen\, über heitere Dinge heiter und ernst. Für Leute ohne Humor ist es im allgemeinen schwerer\, die Große Methode zu begreifen.“ (B. Brecht\, „Me-ti. Buch der Wendungen“\, um 1939) \nIn diesem Sinne: Schluss mit der Enge. Schluss mit Austerität! \n„Der Freundschaftsbund konnt freilich nicht bestehen\nDer Rausch verfliegt. Der Alltag fragt: Wer wen?\nUnd wenn man sich auch eine Zähr [Träne] abwischt\nWeil sich das Wasser mit dem Öl nicht mischt\nEs hilft nichts\, und ´s ist schade um die Zähren:\n´s wird Zeit\, daß deine Knechte dir den Rücken kehren.\nDen guten Herrn\, den finden sie geschwind\nWenn sie erst ihre eignen Herren sind.“\nSchlussatz des Matti (12. Bild)\, Bertolt Brecht: „Herr Puntila und sein Knecht Matti“\, entstanden 1940/41. \nHier findet ihr den Flyer auch als pdf
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