Film-Seminar gegen Austerität

“Die Abschaffung der Schuldenbremse ist eine Wiederherstellung von Demokratie. Diese bedarf kritischer, aufgeklärter, kultivierender, anspruchsvoller, solidarisch denkender und kooperativ verantwortlich engagierter Menschen. Nehmen wir die Geschichte in unsere Hand!“ (Hamburger Manifest gegen Austerity)

Mit der Kampagne „International solidarisch: Schluss mit Austerität“ haben wir uns als Studierendenschaft zum Ziel gemacht, die weltweit verheerende Austeritätspolitik ein für alle Mal zu beenden und somit eine neue geschichtliche Etappe einzuleiten: eine der bewussten, planvollen, demokratischen Gestaltung global menschlicher Lebensverhältnisse!

Das ist keine Kleinigkeit. Genau deshalb wollen wir mit einer thematischen Filmreihe rund um diese Auseinandersetzung die Ansprüche und den Horizont dafür weiten, was gesellschaftlich wie persönlich an menschlicher Entwicklung möglich ist und dafür die internationale und geschichtliche Dimension der Bedeutung einer Überwindung des Austeritätsdogmas erfassbar machen, uns gemeinsam entsprechend politisch, historisch, ökonomisch und kulturell qualifizieren und so zur erfreulichen Mittäterschaft anregen.

Beispielhaft soll die internationale Dimension an einigen herausragenden Filmen beleuchtet werden: an der Geschichte Chiles und der Präsidentschaft Allendes („Allende“, Patricio Guzman) wird deutlich, gegen welche positive Entwicklungsoption, die heute umso mehr auf der Tagesordnung steht, der Neoliberalismus samt Austerität sich richtet. An der „Krise“ Argentiniens („Geschichte einer Plünderung“, Fernando Solanas) lässt sich vertiefen, warum die Macht der Banken ein zentrales Problem ist und wie sie zurückgedrängt werden kann. Griechenland steht nicht nur beispielhaft für die aktuelle Brutalitätsdimension des „Spardiktats“, sondern seine Geschichte ist auch seit jeher beispielhaft für die Überwindbarkeit reaktionärer Gewalten („Z – Anatomie eines politischen Mordes“, Costa-Gavras). Der aktuelle Zusammenhang von Schuldenbremsen-Politik und antidemokratischer Zuspitzung wie auch die ermunternde Geistesverwandtschaft der progressiv Engagierten weltweit wird an Brasilien besonders deutlich („Der Prozess“, Maria Ramos). Geschichtlich wollen wir u.a. die Phase der materiellen Überfälligkeit kapitalistischer Produktionsverhältnisse seit 1848 („Der junge Karl Marx“, Raoul Peck) beleuchten, die Genese des deutschen Kapitalismus und die Herkunft des Reichtums heutiger „Eliten“ aus dem Faschismus erhellen („Wir Wunderkinder“, Kurt Hoffmann), den Ursprung der neoliberalen Ära im Thatcher-England und aktuell beispielgebende Strategien ihrer Überwindung („Pride“, Matthew Warchus) erkennbar machen und den Charakter der aktuellen Krise seit 2008 und Lösungsoptionen erfassen („Goldman Sachs – eine Bank lenkt die Welt“, arte-Doku und „Capitalism a love story“, Michael Moore).

So mag eröffnet sein, uns gemeinsam ein Bewusstsein von der entscheidenden Bedeutung der Solidarität als Haltung und Praxis zu bilden. Die Filme werden jeweils durch ein kurzes Referat eingeleitet, im Anschluss wird es die Möglichkeit zur Diskussion geben.

Warum am Philturm?

Privatisierungs- und Kürzungspolitik haben über Jahrzehnte den Verfall des Philosophenturms begünstigt, weshalb er nun aufwendig saniert werden muss wofür seine Bewohner zeitweilig ausquartiert wurden. Der Turm repräsentiert architektonisch den demokratischen Bruch mit dem Faschismus und war somit Vorbote der sozialen und kulturellen Öffnung durch ‘68. Die Vertäfelung mit rotem Granit im Erdgeschoss steht beispielhaft für die planerische humanisti-sche Wertschätzung der Studierenden, die ihrerseits künstlerische Spuren der politischen Auseinandersetzungen in Form von Graffitis hinterlassen haben. Er war in seiner Geschichte fast von Anfang an das kulturelle Zentrum auf dem Campus. Er versinnbildlicht somit exempla-risch nicht nur die Zerstörung durch neoliberale Politik, sondern ist auch historisch-aktueller Bezugspunkt emanzipatorischer Studierenden-bewegung in Hamburg.

Wir wollen diese unhaltbare Leerstelle nun auch füllen, indem wir den Turm als Projektionsfläche für das Sommerkino/Filmseminar nutzen.

Den aktuellen Flyer findet ihr hier in schwarz/weiß und in Farbe.


Programm

16.05. Capitalism: a Love Story

(USA 2009, engl. OmU, 120 min)


30.05.
Salvador Allende

(Chile 2004, spanisch OmU, 100 min)


13.06. 
Memoria del Saqueo – Chronik einer Plünderung

(ARG/FR/CH 2004, spanisch OmU, 120 min)


27.06. 
Goldman Sachs, eine Bank lenkt die Welt

( FR 2013, deutsch, 70 min)


11.07. 
Z – Anatomie eines politischen Mordes

(FR/Algerien 1969, franz. OmU, 127 min)

 

25.07. Der junge Karl Marx

(FR 2017, Französisch/Englisch OmU, 112 min)


08.08. 
Wir Wunderkinder

(DE 1958, Deutsch, 108 min)


22.08. 
The Spirit of ’45

(UK 2013, Englisch OmU, 94 min)


05.09. 
Capitaine Thomas Sankara

(CH 2012, Französisch OmU, 90 min)


19.09. 
Der große Ausverkauf

(DE 2007, Englisch OmU, 94 min)

 

03.10. geändert: Beutezug OST – Die Treuhand und die Abwicklung der DDR

(DE 2012, Deutsch, 94 min)


17.10. 
Die Anstalt – Zur Kritik des Neoliberalismus

(DE 2017, Deutsch, 47 min)


31.10. Wer rettet wen?

(DE 2015, Deutsch, 104 min)

 

14.11. Agora – Von der Demokratie zum Markt

(GR 2014, Deutsch, 92 min)

 

30.01. Let’s make money

(A 2008, Deutsch, 110 min)

 

12.12. Pride

(A 2008, Deutsch, 110 min)

 

09.01. Community Doctors

(USA/Cuba 2016, Spanisch OmU, 100 min)

 

23.01. I, Daniel Blake

(GB 2016, Englisch OmU, 100min)

 

06.02. Where to invade next?

(USA 2015, Deutsch, 120 min)