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„The Spirit of ’45“ Film-Seminar gegen Austerität

August 22 @ 21:00 - 23:30

(UK 2013, Englisch OmU, 94 min)

von Ken Loach (2013)


Das Wichtigste vorweg: Nichts ist alternativlos! Genau diese Widerlegung der Kern-Lüge des Neoliberalismus ist die wesentliche Absicht, mit der der britische Filmemacher Ken Loach zur progressiven Beantwortung der aktuellen Systemkrise dokumentarisch den Blick in die Geschichte wirft.

Der Sieg des weltweiten Widerstands und der Anti-Hitler-Koalition (wesentlich USA, UK, UdSSR) über die faschistischen Achsenmächte (Deutsches Reich, Königreich Italien, Japanisches Kaiserreich) bedeutete eine Zäsur von zivilisationsgeschichtlicher Tragweite: die diktatorisch zugespitzte Ausbeutung des Menschen durch den Menschen kann überwunden werden. Es war ein Sieg, den nicht zuletzt eine international organisierte Arbeiterbewegung unter enormen Entbehrungen und Verlusten, aber auch mit einem neu gewonnen Selbstbewusstsein hat erringen können. „Der Geist von 1945“ ist Ausdruck dieses Bewusstseins: Nie wieder Faschismus und nie wieder Krieg! bedeuten ebenso, dass nie wieder eine kleine Minderheit ihre Profite auf Kosten all derer realisieren können soll, die den Reichtum der Menschheit produzieren und die Hauptlast des Krieges der „großen Herren“ zu tragen hatten. Frieden, soziale Wohlentwicklung, menschenwürdige Arbeit, auskömmliche Löhne, soziale Sicherung gegen Armut, Gesundheitsversorgung und anständiger Wohnraum für Alle, demokratisch-planvolle wirtschaftliche Entwicklung und die Verfügung über den kollektiv erarbeiteten Reichtum durch diejenigen, die ihn schaffen – das ist nicht nur für die Arbeiter:innen, die Entwürdigten und Entrechteten gut, sondern gleichzeitig für den Fortschritt der ganzen Menschheit unabdingbar.

Von diesem kämpferischen Geist getragen wurde am 5. Juli 1945 in Großbritannien die (sozialistisch orientierte) Labour-Party in einem Erdrutschsieg gewählt und in der Folgezeit eine Vielzahl radikaler sozialstaatlicher Errungenschaften durchgesetzt: elementare Arbeits- und Gewerkschaftsrechte, die Verstaatlichung fast aller wichtigen Industrien (v.a. des Kohlebergbaus) sowie des Transportwesens (v.a. der Eisenbahn) und der Infrastruktur (Gas, Elektrizität, etc.), massive Steuererhöhungen für Kapitaleinkommen und Vermögen zum Aufbau eines umfangreichen sozialen Sicherungssystems inklusive der bis heute vorbildhaften, für alle zugänglichen öffentlichen Gesundheitsversorgung (National Health Service), ein massives soziales Wohnungsbauprogramm und öffentlicher Beschäftigungssektor sowie weitreichende Mitbestimmungsrechte. Kurzum: all das, wogegen der Neoliberalismus, namentlich seine regierungsamtlichen Apologeten rund um Margret Thatcher (1979-1990) später sturmliefen mit ihrer Propaganda der „Eigenverantwortung“.

Der Film zeigt: gerade heute, da die neoliberale Doktrin sich global zu Tode gesiegt hat, lässt sich aus der Geschichte lernen. Insbesondere, dass der Mensch solidarisch, engagiert, aufgeklärt, kultiviert und assoziiert diese, seine Geschichte selber macht. Eine menschengemäße Welt ist heute mehr denn je realisierbar. Kein eingeredeter Sachzwang (von wegen „Schulden“) ist dabei zu akzeptieren. International solidarisch – Schluss mit Austerität.

Denn nur der große Gegenstand vermag
Den tiefen Grund der Menschheit aufzuregen;
Im engen Kreis verengert sich der Sinn,
Es wächst der Mensch mit seinen größeren Zwecken.“

Friedrich Schiller, „Wallenstein“, Prolog, 1798.

Hier auch als pdf.

 


Weitere Hintergrundinfos findet ihr hier:

Philip French  (2013-03-17) – Spirit of ’45 reviews

Berlinale Spezial:  The Spirit of ’45

Details

Datum:
August 22
Zeit:
21:00 - 23:30

Veranstaltungsort

Philturm
Von-Melle-Park 8
Hamburg, Hamburg 20146 Deutschland
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