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Filmseminar: Der marktgerechte Patient

März 20 @ 20:00 - 23:30

Der marktgerechte Patient, D 2018, Deutsch, 82 min


„Das Problem liegt darin, dass die Normen der Industrie auf Krankenhäuser übertragen werden, obwohl es um Menschenleben geht. Der Mensch im Krankenhaus ist heute kein Mensch mehr, sondern eine Fallpauschale. Es ist ein verdichtetes System entstanden, das ein hohes Risiko für die Patienten mit sich bringt.“
Ulrich Hildebrandt (ehem. Chefarzt der chirurgischen Klinik der Universität des Saarlandes), Interview im SPIEGEL, 21.12.16.

„Mehr von uns ist besser für Alle!“ war der zentrale Slogan des Pflege-Personals der Berliner Charité, das 2015 mit einer neuen inhaltlichen Qualität des Streiks für eine gesetzliche Mindestpersonalbemessung im Krankenhaus Wegweisendes erreichte. Er verdichtet, worum es im Kampf für Gesundheit für Alle geht: bessere Arbeitsbedingungen, mehr Zeit für empathische Sorgfalt zur Heilung der ganzen gesellschaftlichen Persönlichkeit, Gesundung als kooperativer Entwicklungsprozess, eine produktivere Verteilung der Gesamtarbeitszeit auf mehr Menschen in Arbeit und entscheidende Mitbestimmung der Beschäftigten über Organisation, Inhalt und Qualität der Arbeit. Diese entwickelten Ansprüche stehen dringend auf der gesellschaftlichen Tagesordnung und bilden das gemeinsame Interesse von medizinisch Tätigen und allen potentiell „Zu-Versorgenden“. Zur vollen Entfaltung dieses humanen Impetus muss mit der marktförmigen Zurichtung des Gesundheitswesens radikal gebrochen werden.

Die himmelschreienden Missstände im deutschen Klinikwesen, die der Film mit hoch rationaler Anteilnahme dokumentiert, sind nicht gänzlich unbekannt (unterlassene oder falsche Behandlungen; überlastetes Personal; medizinisch unnötige Eingriffe; Schließung versorgungswichtiger Stationen oder ganzer Kliniken; „blutige Entlassungen“; Abweisungen akuter Notfälle; etc.). Dennoch ist auch dieses Werk der beiden Hamburger Filmemacher ein bewegendes Lehrstück. Denn es entblößt gleichzeitig analytisch das System aus neoliberalen Lügen („soziale Daseinsvorsorge koste zu viel“), politischer Kapitalhörigkeit (Einführung des Fallpauschalen-Systems 2004, Privatisierung kommunaler Klinikbestände wie in Hamburg an „Asklepios“, EU-Wettbewerbsrecht) und Profitinteresse der Konzerne (private Klinikträger, Beraterfirmen, etc.) als Ursache des zur Ware degradierten Patienten.

So wird die Änderbarkeit der Übel klar erkennbar und der Verzweiflung, Empörung und wachsenden Wut eine produktive Perspektive gegeben. Das gemeinsame Engagement für nachhaltig menschenfreundliche Zustände – realisierbar in neu zu entdeckenden Bündnissen aller unterschiedlich gesundheitlich Tätigen und der weiteren Bevölkerung – rettet direkt Leben, richtet auf, mehrt die Zuversicht, erhellt die Sinne, weitet den Horizont, wirkt beispielgebend und vermag selbst als „unheilbar“ Geglaubtes zu heilen. Gesundheit ist Daseinsvorsorge und gehört zurück in öffentliche Hand! Auch dafür muss die Schuldenbremse endlich fallen! Die Gesellschaft als Ganze braucht das nicht weniger, als der einzelne Mensch.

„Politische, ökonomische, soziale, kulturelle, biologische sowie Umwelt- und Verhaltensfaktoren können alle entweder der Gesundheit zuträglich sein oder auch sie schädigen. Gesundheitsförderndes Handeln zielt darauf ab, durch aktives anwaltschaftliches Eintreten diese Faktoren positiv zu beeinflussen und der Gesundheit zuträglich zu machen.“
Charta der 1. Internationalen Konferenz über Gesundheitsförderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Ottawa 1986.

Hier findet ihr den Flyer als pdf.

Details

Datum:
März 20
Zeit:
20:00 - 23:30

Veranstaltungsort

Anna-Siemsen-Hörsaal
Von-Melle-Park 8
Hamburg, 20146 Deutschland