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„Capitaine Thomas Sankara“ Film-Seminar gegen Austerität

September 5 @ 21:00 - 23:30

Capitaine Thomas Sankara, CH 2012, Französisch OmU, 90 min


Man muss den Mut haben, die Zukunft zu erfinden“
Thomas Sankara (Interview mit Jean-Philippe Rapp, 1985)

Burkina Faso – übersetzt: das „Land der aufrechten Leute“ –, bis 1983 in kolonialem Geist schlicht „Obervolta“ genannt, erhielt seinen neuen Namen durch Thomas Sankara. Den Burkinabè gelang mithilfe des unverbrüchlichen humanistischen Befreiungskämpfers, Internationalisten, Kulturfreundes und überzeugten Marxisten in einer Zeit, die dies wenig begünstigte, eine tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzung mit internationaler Sprengkraft in einem der bis dahin ärmsten Länder der Welt: Durch eine umfassende Alphabetisierungskampagne, die radikale Umstellung auf landeseigene Nahrungsmittelproduktion, Bildungs-, Gesundheits-, Umwelt- und Infrastrukturentwicklungsprogramme, massenhafter demokratischer Selbstorganisierung der Bevölkerung – insbesondere der Frauen (Burkina beschloss u.a. das erste Verbot von Genitalverstümmelung auf afrikanischem Boden) – und der massiven Förderung von Kunst und Kultur (kostenlose Theater, Volksbälle und das 1. Panafrikanische Kulturfestival) brachen die Burkinabè sozial, politisch, ökonomisch, kulturell und mental mit 500 Jahren Elend, kolonialer und neokolonialer Ausbeutung und Entwürdigung. Doch nicht nur sie sollten ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen können: International prangert Sankara die aus Kolonialismus und Neokolonialismus resultierende Verschuldung der afrikanischen Länder bei westlichen Staaten und Finanzinstitutionen an. Seine Haltung ist klar: Die Pflicht zum Schuldendienst dient der Ausbeutung und Rekolonialisierung zugunsten der imperialen Machtelite – die Gläubiger von heute sind die Plünderer von gestern. Gegen das Schuldenregime wirkt Sankara für die internationale Solidarität der Weltgemeinschaft, dringt auf eine Einheit der afrikanischen Staaten zur Entschuldung und wirkt für ein globales Bündnis der Marginalisierten. Ermordet 1987 in einem aus Frankreich initiierten und von westafrikanischen Reaktionären durchgeführten Putsch, ist sein Leben und Wirken heute aktueller denn je – die sozialen Errungenschaften der burkinischen Revolution unhintergehbar.

Der Film aktualisiert dokumentarisch dieses beispielgebende Engagement und macht mit Sankaras Optimismus des Willens deutlich: Alles, was die Menschheit in der Lage zu denken ist, kann sie auch umsetzen. Solidarisches Wirken für ein Ende der Schuldenbedienung hat globale Bedeutung. Eine bessere Welt ist möglich.

Diejenigen, die uns in die Verschuldung führten, haben sich aufgeführt wie in einem Kasino. Solange sie gewannen, gab es keine Diskussion. Jetzt, wo sie im Spiel verloren haben, fordern sie von uns die Rückzahlung. Und nun ist von Krise die Rede. Nein, Herr Präsident, sie haben gespielt und sie haben verloren, so ist das Spiel.[…] Wir sind heute in der Pflicht, mit dem Club von Addis Abeba eine Einheitsfront gegen die Schulden zu bilden. Nur so können wir den anderen zu verstehen geben, dass wir mit unserer Weigerung, die Schulden zurückzuzahlen, keineswegs aggressive, sondern brüderliche Absichten verfolgen und die Dinge dabei beim Namen nennen. Zudem richten sich die Volksmassen Europas nicht gegen die afrikanischen Volksmassen. Diejenigen, die Afrika ausbeuten wollen, beuten auch Europa aus. Wir haben einen gemeinsamen Feind. […] Wenn wir sagen, dass die Schulden nicht zurückgezahlt werden können, dann nicht deshalb, weil wir etwa Gegner von Moral und Würde wären oder weil wir meinen, Versprechen könnten nach Belieben gebrochen werden. Wir sind der Ansicht, dass unsere Moral sich von der der anderen grundlegend unterscheidet. Arme und Reiche haben nicht dieselbe Moral.[…] Wir können ihre Moral nicht als die Allgemeingültige akzeptieren. Wir können nicht zulassen, dass man uns etwas von dem Verdienst derjenigen erzählt, die zurückzahlen, und von fehlender Vertrauenswürdigkeit derer, die nicht zurückzahlen. Im Gegenteil, wir müssen sagen, dass dies heute Normalität ist, dass die Reichsten die größten Diebe sind. Ein Armer, der stiehlt, begeht allenfalls ein Kavaliersdelikt, ein geringfügiges Vergehen in der Not, um zu überleben. Es sind die Reichen, die die Staatskassen ausrauben und die Völker ausbeuten.“
Thomas Sankara (Rede auf dem Gipfel der Organisation für Afrikanische Einheit [Vorgänger der Afrikanischen Union] am 29.07.1987).

Hier auch als pdf

Details

Datum:
September 5
Zeit:
21:00 - 23:30
Website:
https://www.facebook.com/events/228613667814428/

Veranstaltungsort

Philturm
Von-Melle-Park 8
Hamburg, Hamburg 20146 Deutschland
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